Beiwagenfederbein

Das Federbein, Stoßdämpfer mit Feder, gewährt einen sicheren Fahrbahnkontakt und ist vor allem ein Sicherheitsrelevantes Bauteil.

 

Ausgangslage:

Beim PKW ist das Verhältnis von Leergewicht zu zulässigem Gesamtgewicht etwa 1:1,5;
bei einem Solomotorrad 1:1,7
und bei einem Gespann durchaus 1:2.
Es gibt kaum Federn, die dieses Extrem hinsichtlich Fahrsicherheit und Komfort mit großem negativen Federweg zu leisten in der Lage sind.

Noch extremer ist die Betrachtung beim Seitenrad allein.
Bei leer 50 kg und maximal beladen 200 kg (Werte beispielhaft) ergibt sich ein Verhältnis von 1:4.
Das ist nur mit einem sehr geringen Negativanteil zu erreichen.

 

Drei wesentliche Aspekte:

1.
Federbeine mit Feingewindeverstellung sind durchaus üblich, sie erlauben geringe Vorspannungen, sensible Justierung und gefahrloses tauschen und ausprobieren verschiedener Federn. Eine Feder muss nicht mehr länger sein als das Gewinde zulässt. Achtung: Spiralfedern neigen beim Einfedern durchaus zu Verdrehung. Unbedingt auf festes Kontern der Federteller achten.

2.
Progressive Federn sind keine Ausnahme mehr. Sie besitzen ein ausgeprägteres Dynamikverhalten. Sie sind standardmäßig mit je zwei Federraten lieferbar, typisch liegt die härtere etwa 50% über der Grundfederrate.

3.
Zur Erfüllung der Sicherheitskriterien werden oft hohe Federraten, harte Federn benötigt. Auch sie können komfortabel federn, wenn sie nicht zu arg vorgespannt werden, d.h. frühzeitig losbrechen und ansprechen können. Alte Lehrbücher sprechen von 20 mm, bestenfalls 10 mm Vorspannung im unbeladenen Zustand, diese Werte sind inzwischen stark verbesserungsfähig, da Motorradfedern sehr eng innen geführt werden und nicht abspringen können.

 

Wird zum Beispiel eine 25er Feder mit 20 mm vorgespannt, beginnt sie erst ab einer Auflast von 50 kg überhaupt einzufedern und einen negativen Federweg zu bilden. Das ist für das Seitenrad inakzeptabel!

Die Wunsch-Beiwagenfeder: Die engen Windungen einer zweistufigen Feder sollten im Idealfall 2 bis 3 mm Abstand aufweisen. Das bewirkt, dass bei Federn mit zehn Windungen bereits nach 20 bis 30 mm Eintauchtiefe allein die härtere Federstufe zum Tragen kommt. Dieser Wert ist für die Neigung des Gespannes gut erträglich, alles was dann kommt, sollte der Seitenradfeder ruhig schwer gemacht werden, zumal sich beim Straßengespann der reale Gesamtfederweg des Seitenrades meist nicht über 50 mm bewegt. Das erspart zusätzliche Niveauregulierung.

Beispiel: Für Seitenradlasten von 50/200 kg wird eine Feder mit einer Federrate von mindestens 40 N/mm bei einem Federweg von 50 mm benötigt. Eine passende zweistufige Federkennung wäre 35/55.

Olaf Schulze

Beitrag in MG 180

 

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