Motorrad-Gespanne

Zeitschrift für Gespannfahrer. Erstes Magazin das ausschließlich über Gespanne berichtet.

Die Seitenwagenbranche hatte Mitte der 1980er Jahre Fahrt aufgenommen. Es gab 1988 wieder rund 16.000 Gespanne in der BRD. Jedoch waren Gespanne zu jener Zeit ein blinder Fleck in der Berichterstattung der Motorradblätter.

Motorrad-Gespanne wurde von Bernhard Götz im Eigenverlag 1988 geründet. Es folgten verschiedene ergänzende Publikationen und viele Aktivitäten rund um das Motorrad mit Beiwagen.

Weitergabe der Zeitschrift für Gespannfahrer 2016 an den Syburger Verlag, Unna.
Im 2024 erschien die 200. Ausgabe.

 

Titel der Erstausgabe - die 0-Nummer.

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MOTORRAD-GESPANNE: Wie es begann

(Text aus dem Sonderheft MG-Spezial, von Bernhard Götz 2013)

"Der Ort: Ergenzingen, ein verschlafenes Dorf im schwäbischen Wald. Das Jahr: 1988. Der Liter Benzin kostete 94 Pfennige, Webster und Hewitt wurden Straßen-Gespannweltmeister, und der SV Werder Bremen Deutscher Fußballmeister. Das Wetter im März: Kalt und nass. 

 

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Im verwilderten Garten einer desolaten Villa aus dem 19. Jahrhundert standen einige Zelte und ein Dutzend Motorräder. Vor hundert Jahren hatten in der großen Küche eine Köchin und ihre Magd für den Landadel im Salon das Essen zubereitet. Jetzt saßen Motorradfahrer um einen ausladenden Tisch und zelebrierten ein kleines Treffen. Die Leute waren allesamt Leser von Stress Press, einem Heft der Treffen- und Tourenfahrerszene. Ganz bestimmt hätte sich kein Küchenpersonal dieser Welt vorstellen können, dass hier die Idee zu einer Gespannzeitschrift gebacken würde.

Zwischen vielen leeren Bierflaschen, stand auf dem alten Küchentisch ein fauchender Benzinkocher. Darauf ein Topf in dem Pfirsichstücke brodelten, die in einem Wodka-Sud schwammen (Rezept siehe unten).

Spät nachts ergab sich folgender Dialog: „Ich hab' im Radio gehört, es gibt jetzt sieben Zeitungen für Pfeifenraucher.“

„Und keine für Gespannfahrer!“

 

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Wer die Radiomeldung über die Pfeifenraucher-Zeitungen wiedergab, lässt sich nicht mehr nachvollziehen, doch die Feststellung, dass es kein Magazin für Gespannfahrer gab, traf in dieser Runde Peter Kirchberg. Peter kam aus Düsseldorf, fuhr ein MZ-ETZ-Gespann und war zu dieser Zeit als Ingenieur über eine Leihfirma bei Daimler-Benz beschäftigt. In dieser Runde saß auch ich, und tags darauf konnte ich mich noch an diesen Dialog erinnern.

 

Wäre es nicht prima, ein Magazin zu einem Thema zu machen, das von der Motorradpresse gar nicht oder nur sehr stiefmütterlich behandelt wurde? Doch wie kann man so etwas überhaupt finanzieren? Die Gedanken schlugen Purzelbäume, und wenig später war der Plan gefasst: Ich baue eine Zeitschrift, die sich ausschließlich mit Gespannen beschäftigt.

Bald war klar: Ein Verkauf über den Kiosk war nicht zu finanzieren. 1988 gab es lediglich laut KBA rund 15.000 Gespannfahrer in Westdeutschland, und um den Kioskvertrieb für eine Zeitschrift zu bezahlen, müsste praktisch jeder Gespannfahrer das Heft am Kiosk kaufen – ein illusorischer Gedanke. Also sollte es eine Abonnementzeitschrift werden.

Daraus ergab sich die nächste Aufgabe: Das Blatt musste bekannt gemacht werden. Internet, E-Mails und Handys hatte noch keiner und die etablierten Motorradblätter würden ganz sicher nicht über eine neue Zeitschrift berichten. Um bekannt zu werden, bot es sich an, auf der internationale Motorradmesse IFMA in Köln einen Messestand zu buchen. Geld war knapp, so reichte das schmale Budget gerade mal für die Mindest-Standgröße von drei mal drei Metern. Ein winziges Fleckchen auf einem riesigen Messegelände. Die bange Frage war: Werden uns die Gespanninteressierten finden?

Bevor es aber mit der Erstausgabe von MOTORRAD-GESPANNE nach Köln ging, musste ein Schreiber und Gespannkenner gefunden werden. Allein war der Job nicht zu bewältigen. Beim Besuch des Squire-Treffens in Unterheumödern, etwa 50 Kilometer südlich von Nürnberg, hatte ich 1987 Martin Franitza kennengelernt. Er verkaufte auf dem Treffen sein längst vergriffenes Heftchen „Seitenwagen und Gespanne“. Als ich ihn im Frühjahr 1988 anrief und ohne Umschweife fragte, ob er Chefredakteur einer Gespannzeitschrift werden wolle, sagte er spontan zu. Und noch zwei weitere Motorradfahrer engagierten sich.

Die 80er Jahre waren das Jahrzehnt der kleinen Motorradhefte. Motorradclubs und -interessengemeinschaften gaben dutzende von Hefte zum Hobby heraus. Mit einiger Präsenz erschien das Heft „Dreirad“ von Karl-Heinz Press. Mein Angebot, seine Beiträge in der neuen MOTORRAD-GESPANNE zu veröffentlichen, kam ihm sehr gelegen, da er kaum noch Zeit fand, sein Blatt zu erstellen. Auch wurde über Karl-Heinz eine Zusammenarbeit mit der Interessengemeinschaft der Gespannfahrer (IGG) vereinbart.

 

Zur Mitarbeit hatte sich auch Henning Wiekhorst angeboten. Nach der Absage von offizieller Seite hatte er das Elefantentreffen am Salzburgring gerettet (IGRES) und später das „Alte Elefantentreffen“ am Nürburgring mitgegründet. Er schrieb für die ersten zwei Ausgaben Treffenberichte für MOTORRAD-GESPANNE.

Im Juli 1988 schmiedeten wir beim Sommertreffen der Motorradfreunde in Mainkling Pläne zur neuen Zeitschrift. Karl-Heinz und Henning sollten Martin zuarbeiten, und meine Aufgabe war die Gestaltung des Heftes und das Organisatorische. Leider musste sich Karl-Heinz schon bald aus privaten und beruflichen Gründen ganz ausklinken. Henning vermittelte noch im Hintergrund das erste Euro-Gespann-Treffen am Nürburgring und da auch er, mit Studium und Beruf, andere Schwerpunkte setzte, lief die Zusammenarbeit nach kurzer Zeit aus.

 

In der Anfangszeit wurde MOTORRAD-GESPANNE noch von Hand auf Papier montiert und abfotografiert – analog, versteht sich. Das hieß, mit einem 12.000 D-Mark teuren Laserdrucker – der erste, der Schrifttypen in Proportionalschrift ausdrucken konnte – wurden Texte erstellt und zu einem Layout zusammengeklebt. Bilder und Überschriften wurden beim Lithografen entwickelt, ein Beruf, den es heute nicht mehr gibt.

Dann war es soweit: Im September 1988, vor 25 Jahren, holte ich mit meinem Opel Kadett B bei einer Druckerei 500 Kilogramm MOTORRAD-GESPANNE-Hefte ab. Einige Tage später präsentierten wir uns stolz auf unserem IMFA-Messestand in Köln -- mit Plastikrasen am Boden, angetackerten Tapeten an den Wänden und einem Baustrahler, der etwas Licht in die Höhle brachte.

 

Die Befürchtung, dass kein Gespannfahrer unseren winzigen und vergleichsweise unattraktiven Stand auf dem riesigen Messegelände finden würde, bewahrheitete sich nicht. Das Gegenteil war der Fall. Es gab im Messekatalog und auf den großen Hinweistafeln der IFMA zwar hunderte von Einträgen zum Begriff „Motorrad“, aber nur einen einzigen unter „Gespanne“, und das war unser neues Magazin.

Für alle Gespanninteressierte ein unübersehbarer Hinweis auf unseren Messestand, der an allen Tagen dicht belagert wurde. Wie viel Einzelhefte wir von der Erstausgabe verkauften und verschenkten, lässt sich nicht mehr sagen, doch über 284 Gespannfreunde hatten direkt am Messestand die MOTORRAD-GESPANNE abonniert.

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Eine Zeitschrift ohne gewerbliche Anzeigen zu machen, ist nicht finanzierbar, und die Gespannhändler waren gebrannte Kinder. In manchen Nischenblättern wurden einzelne Firmen auf unseriöse Weise niedergemacht. „Wieso“, so fragten die Händler, „sollte das in der neuen Gespannzeitschrift anders sein? Und wieso sollten wir euch dafür auch noch Gespanne zum Fahren geben?“

In den ersten Jahren war viel Überzeugungsarbeit erforderlich, um bei den Firmenchefs vertrauen aufzubauen, und dass es in der neuen Zeitschrift nicht um persönliche Sympathien, sondern um die Sache ging – unserem gemeinsamen Hobby, dem Gespannfahren.

 

1991 wurde angekündigt, die vierteljährliche Erscheinungsweise auf einen zweimonatsrhythmus umzustellen, das war kein leichtes Unterfangen. Mehr Texte mussten erstellt werden, der Aufwand für die Organisation verdichtete sich erheblich. Und waren unsere Leser auch bereit, den Mehrpreis für das Jahresabo zu bezahlen? Doch als die Umstellung ankündigt war, wurden wir vom Zuspruch der Leser geradezu gedrängt, MOTORRAD-GESPANNE häufiger herauszubringen. Die Szene war begeistert.

 

Seit 1993 wird das Layout von einem Profi erstellt. Uli Rau, ebenfalls ein begeisteter Gespannfahrer, ist nun auch schon 20 Jahre im Team. Übrigens war zu dieser Zeit die alte Villa in Ergenzingen schon abgerissen, und eine Reihenhaussiedlung wurde gerade bezogen.

Wir konnten viele Ideen mit der Unterstützung der Gespannfahrer umsetzen: Die Gespannkataloge, Eintrag ins Guinnes-Buch der Rekorde, Erstellung der ersten universellen Bedienungsanleitung für Gespanne, Gründung der Messe Faszination Motorrad in Sinsheim mit der größten Gespannaustellung, unterschiedliche Bücher zu interessanten Gespannthemen, ein Infodienst für den Gespannhandel, zwei Sonderhefte "Winterfahrer" und nicht zuletzt das Euro-Gespann-Treffen. Leser und freie Mitarbeiter unterstützten uns mit fundierten und faszinierenden Geschichten.

Chefredakteur Martin Franitza orientierte sich 2011 neu und verließ MOTORRAD-GESPANNE. Das redaktionelle Konzept wurde komplett überarbeitet, und das „Du“ in der Anrede eingeführt.

 

Von der Schnapsidee, eine Zeitschrift über Gespanne zu machen, bis zur Zeitschrift der Gespannfahrer war es ein langer Weg, und von der ersten Stunde bis heute motiviert mich der Spaß und Idealismus für das Hobby. Und wer vor 25 Jahren die Erstausgabe von MOTORRAD-GESPANNE gelesen hatte, bekam mehr Information über unser Hobby als in allen am Kiosk erhältlichen Motorradzeitschriften zusammen. Und das ist heute noch so.

Mein Anspruch bleibt auch für die Zukunft, die echte Gespannszene im Heft abzubilden und über all das zu informieren, was uns Gespannfahrern wichtig ist.

Bernhard Götz, 2013"

 

Fortgang der Geschichte

2016 hat Bernhard Götz die Motorrad-Gespanne an den Syburger Verlag in Unna weitergegeben. Blieb aber noch bis 2024 Chefredakteur.

 

 

Flambierte Pfirsiche

Der Stress-Press-Zaubertrank: Peche flambée

  • Rezept für sechs Personen (Simplex-Mischung):

  • 1 Flasche Wodka

  • 2 Büchsen Pfirsiche (halbe Frucht, leicht gezuckert)

  • 1 bis 2 Schlagsahne

  • Eierlikör nach belieben

  • Schokostreusel

 

Zubereitung für 6 Personen:
Die Pfirsichdosen öffnen und die Fruchtstücke klein schneiden, so dass sie mit einem Keffeelöffel aufgenommen werden können.
Mit dem Saft die Stücke in einen großen Topf geben und zum Kochen bringen.
Dann eine halbe Flasche Wodka hinzugeben und erneut erhitzen, bis die Flüssigkeit wieder zu kochen beginnt.
Dann anzünden. 10 bis 20 Sekunden brennen lassen. Dann mit dem Topfdeckel die blaue Flamme löschen.
Mit einem Schöpflöffel Becher mit Henkel zu 2/3 füllen.
Mit etwas Schlagsahne das Getränk abdecken und etwas Eierlikör darüber geben.
Zuletzt die Schokostreusel.
Dann auslöffeln. Himmlisch!

Hinweise Empfehlungen: Nicht in geschlossenen Räumen zubereiten. Nicht in warmer Umgebung trinken. Kein Bier oder Wein nachtrinken. Der verbrennende Alkohol gibt dem zuckrigen Pfirsichsaft einen feinen Karamellgeschmack. Das Flambieren ist besonders bei Nacht ein tolles Spektakel. Die Sahne dient auch als Isolierschicht und verhindert das schnelle Abkühlen des Getränks im Winter.

In Stress-Press-Kreisen werden die flambierten Pfirsiche oft als Duplex- (Kreativphase) oder Triplexmischung (goldener Schluck) zubereitet; hierbei vervielfacht sich jeweils die Menge des zugegeben Wodka´s.

Warnhinweis! Insbesondere in den erweiterten Mischungsverhältnissen besteht die Gefahr von Verpuffungen.