E-Motorrad

Gespanne mit E-Motor sind selten, Gesamtbestand etwa 100 Fahrzeuge (Stand 2025).
Oft entstehen die Umbauten aus einer privaten Initiative heraus.

Nur Ural hatte um 2017 in den USA einen Prototypen mit E-Motor gebaut. Das Projekt wurde aber nicht weitergeführt. Einige Jahre später wurde in den NIederlande ein Projekt unter dem Namen SIDELANDER gestartet.

 

Abb.: Düllmann-Ural

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Beiträge in MG:

 

 

E-Motorrad, BMW, Iago Valino Designstudie

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Einleitungstext aus MG 122, 2011:

"Uli Jacken wird in das Lexikon des Gespanns als der Mann eingehen, der sich in diesem Jahrzehnt eingehend mit der abgasfreien Zukunft des Gespanns beschäftigte.
Sein E-max-Roller-Gespann sieht er noch als Versuch. Aber die Entwicklung bleibt nicht stehen."

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Der E-max 90 S hat die kleine Batterieausstattung. Damit wird im Solobetrieb eine Reichweite von etwa 60 Kilometern ermöglicht. Im Gespannbetrieb kommt er etwa 30 Kilometer weit.
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Fleck/Löw-BMW F 650 Elektro

(Aus MG 182, ak) Akku statt Sprittank: Für die Steigerung der Reichweite ist jeder Platz recht - selbstredend der Gepäckraumboden, die Nische unter dem Beifahrersitz und auch das Topcase. Reicht in der Summe für zirka 160 Kilometer am Stück. Immer informiert: Über ein Display hat man alle wichtigen Parameter im Blick.

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Die Zukunft kommt auf leisen Pfoten

Hybrid-Gespann, Vorstellung in MG 176, 2020.
Ob der Radnabenmotor die beste Lösung bei Gespannen ist, wird sich noch erweisen. Immerhin wiegt solch ein Spulenpaket über 10 Kilogramm, was mit hohen ungefederten Massen einhergeht. Sie behindern eine anständige funktionierende Federung und verschlechtern die Straßenlage. Moderne Radnabenmotoren leisten inzwischen über 100 PS, wiegen dann aber auch 35 Kilogramm.

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Eigenbau:

E-Motor von einem Zero-E-Motor eingebaut in eine Yamaha FJ 1200 mit EML GT 2. Ein zusätzlicher Akkupack wurde unter der Sitzbank eingebaut und kommt von Tesla. (MG 178)

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Das Kettenrad fällt riesig aus. Eine Übersetzung reicht für jede Geschwindigkeit.
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Ausgetüftelt: Als Feststellbremse dient ein Kniehebel, dessen Bolzen in das dahinterliegende Ritzel eingreift und zugleich den Schalter vom nicht mehr vorhandenen Seitenständer betätigt.
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Der folgende Satire-Beitrag hat eigentlich nichts in einem Lexikon zu suchen, doch er spiegelt die Einstellung der Gespannszene von 2015 wieder (von Hans Hohmann aus MG 148).

 

Das Allerletzte

Elektrische Stühle

Stelle dir folgende Situation vor: Du bist mit dem Gespann unterwegs. Weit vor dir siehst du, wie dein ehemaliger Mathelehrer, seit dreißig Jahren Rentner, mit seiner Gehhilfe die Straße überqueren will. Dieser Mensch hat dich die gesamte Schulzeit hindurch gefoltert mit Feldwebelgebrüll, binomischen Formeln, Hyperbelkurven, Infinitesimalrechnungen, Klassenarbeiten, Mundgeruch sowie dem Anblick von Gleitcremefrisur und ausgeleierter Wollweste.

Du rollst auf ihn zu, schleichst dich quasi heran, und als du etwa an Punkt Null minus Strecke X von ihm entfernt bist, lässt du deine 132-Dezibel-Fanfare brüllen.

So schnell hast du noch nie einen Vierundneunzigjährigen beschleunigen gesehen, erst recht nicht mit vorgeschnalltem Rollator, dessen Reifen mit den Sohlen des Greises nun um die Wette qualmen.

Dies ist die einzig vorstellbare Minute, bei der ein Elektro-Gespann Spaß machen könnte. Denn deshalb hat dich der verschimmelte Pädagoge nicht kommen hören.

An allen restlichen 1439 Minuten eines Tages ist ein Dreirad mit elektrischem Antrieb nur öde. Wenn nicht nervötend. Es fehlt der Sound eines kraftvollen Verbrennungsmotors. Es fehlt das Gefühl der Koordination zwischen Kupplung und Gasgriff. Es fehlt das Vibrieren einer schlecht gewuchteten Kurbelwelle. Es fehlt der Geruch nach heißem Öl, wenn eine Dichtung leckt. Es fehlt der glühende Auspuff, auf dem du nach einer Winterfahrt die Handschuhe schmelzen kannst. Es fehlt die Schrauberei am Straßenrand, wenn die Zündkerze getauscht oder die Ventile eingestellt werden wollen. Es fehlt das Knistern des abkühlenden Zylinders nach scharfem Ritt.

Vor allem aber fehlt ein Beiwagen, in dem du den/die Partner/in oder den Hund mitnehmen kannst. (Zur Not auch den Nachwuchs.) Denn: Das Boot eines Elektrogespanns ist vollgestopft mit tonnenschweren Batterien. Weshalb du es auch in scharfen Rechtskurven nicht in die Höhe bekommst.

Ja, selbst die modernsten Akkus weisen noch nicht einmal ein Sechzigstel der Energiedichte von Benzin auf. Was das von Sachkunde verschonte Geschrei aus Politik und Medien über Elektromobilität als das entlarvt, was es ist: heiße Luft.

Doch selbst wenn es der Industrie gelänge, Stromspeicher zu entwickeln, die diesen Begriff verdienen – welche überbordenden Emotionen vermittelt schon eine Nähmaschine? Dazu hatte ich ein Erlebnis mit unserem verlegernden Chefredaktör. Er fährt unter anderem – wenn es denn fährt – gelegentlich noch ein altes italienisches Motorrad. Die Marke fällt mir jetzt nicht ein – Lavendel oder Lavamat oder so. Jedenfalls ist es bei dem anders als in der Natur: Der Schall ist schneller als das Licht – man hört die Maschine lange, bevor man sie sieht.

Auf einer Tour durchs schöne Weserbergland sah ich im Rückspiegel, wie sich die Alleebäume zur Seite bogen, entlaubt wurden und der Restverkehr in Form einer Bugwelle links und rechts die Straße verließ. Ich vermutete einen Eurofighter, der sich für seine letzten Lebenssekunden diese Bundesstraße ausgesucht hatte.

Es war kein Eurofighter. Sondern unser verlegener Verleger auf seiner Lavendel. Die Lautstärke verhielt sich umgekehrt proportional zur Geschwindigkeit. Im Vorbeibrüllen hob er die linke Hand – vermutlich, um die von der Kupplung verursachte Sehnenscheidenentzündung zu kühlen.

Möglicherweise war zu diesem Zeitpunkt ein Auspufkrümmer noch nicht abgerissen, doch jede mechanische Veränderung am Lavamat hätte nur leiser sein können. Lauter ging nicht mehr. Ich bog dann auch bald ab, da ich nicht darauf eingerichtet war, tausende Tinnitus-Opfer zu versorgen sowie den entstandenen Weser-Tsunami zu beruhigen.

Moral: Die überlebenden Beteiligten können einst an langen Winterabenden ihren Enkeln von dem eindrucksvollen Erlebnis erzählen. Das aber hätte nicht stattgefunden, wären Elektrogespanne die Akteure gewesen.

Nein, elektrische Stühle sind nichts für mich, in keiner Form.

 

Cartoon von Michael Hüter, MG 148

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Das E-Gespann von Bernhard