Britischer Hersteller von Seitenwagen und Anhängern zum Anbau an Motorräder. Watsonian gilt als ältester noch existierender Beiwagenhersteller der Welt.
Gründung und Frühgeschichte
Das ursprüngliche Unternehmen wurde 1912 von Thomas Frederick Watson als Patent Collapsible Sidecar Company Ltd. in Balsall Heath, Birmingham, England, gegründet. Wenig später erfolgte die Umbenennung in Watsonian Folding Sidecar Company Ltd., nachdem Watson einen faltbaren Beiwagen gebaut hatte, der es ihm ermöglichte, seine Motorrad-Beiwagen-Kombination durch eine schmale Einfahrt in den Hof seines Hauses zu bekommen.
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Im 1916er-Katalog finden sich Seitenwagen mit Korbaufbau. Für Restauratoren ist die Nachfertigung dieser Aufbauten heute ein Problem, da kaum mehr jemand die kunstvolle Handfertigkeit des Korbflechtens besitzt, um solche Formen herzustellen.
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Während des Ersten Weltkriegs baute das Unternehmen Beiwagen für den Einsatz als Motorradkrankenwagen.
Zwischenkriegszeit
1927 stellte Watsonian das X-21-Chassis vor (in den ersten Jahren noch unter der Modellbezeichnung X bzw. X 20). 1930 wurde das Unternehmen in Watsonian Sidecar Company Ltd. umbenannt. Im selben Jahr wurde die Fabrik durch ein Feuer zerstört; 1931 zog das Unternehmen in neue Räumlichkeiten.
Nachkriegszeit und Rennsport
1946 erschien der Beiwagen Meteor, der bis heute gebaut wird. 1949 wurde Eric Oliver auf einer Norton mit Watsonian-Beiwagen erster Gespann-Weltmeister. In den 1950er-Jahren war Watsonian der größte Beiwagenhersteller der Welt; nach Firmenangaben befanden sich 1955 über 80.000 Watsonian-Gespanne auf englischen Straßen.
1927 stellte Watsonian das sogenannte X-21-Chassis (in den ersten Jahren noch unter der Modellbezeichnung X und X 20) vor.
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Titelseite des Watsonian-Kataloges von 1936
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1954 stellte Watsonian den großen Beiwagen Monaco vor, teilweise bereits aus glasfaserverstärktem Kunststoff gefertigt. 1956 übernahm Watsonian die Namensrechte an Swallow Sidecars von Tube Investments (Watsonian war früher Zulieferer der Swallow Sidecar Company), die nach dem Zweiten Weltkrieg in Jaguar Cars umbenannt wurde. Ab 1956 zählte Watsonian zu den ersten Beiwagenherstellern, die auf GFK-Aufbauten umstellten. Neben zivilen Modellen entstanden auch Seitenwagen für das RAC, die für die Straßenrettung eingesetzt wurden.
Diversifikation und Standortwechsel
In den 1970er-Jahren nutzte Watsonian sein GFK-Know-how zur Produktion von Hardtops für Land Rover und für Sportwagen. Als der Vertrag mit Land Rover 1981 auslief, musste das Unternehmen die Produktion reduzieren und Personal entlassen. 1984 erfolgte der Umzug an den heutigen Standort in Blockley.
Fusion mit Squire
1988 wurde auf der Earls Court Show die Fusion von Watsonian mit dem 1975 gegründeten Seitenwagenhersteller Squire Sidecars zur heutigen Watsonian-Squire bekanntgegeben. Squire verlegte seinen Sitz in die Fabrik in den North Cotswolds. Details zur Vorgeschichte von Squire siehe gesonderter Lexikon-Eintrag Squire.
Watsonian-Squire-Prospekt aus dem Jahr 1995.
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Von 1999 bis 2013 war Watsonian britischer Vertriebshändler für Royal Enfield-Motorräder. Hinweise deuten auf eine zweite, weniger gut dokumentierte Phase der Zusammenarbeit nach 2013 hin, die im Zuge der Wiederbelebung der Marke Squire (2024/2025) beendet wurde. Watsonian konzentriert sich seither wieder auf das Kerngeschäft Seitenwagenbau, Royal-Enfield-Anfragen werden an die regulären Markenhändler verwiesen. Diese zweite Phase ist allerdings nicht abschließend belegt.
Aktuelles Modellprogramm (Auszug)
Meteor – seit 1946 durchgängig gebaut
Monaco – seit 1954, klassische Linienführung, passend zu Harley-Davidson-Glide-Modellen
GP 700 – breite Karosserie u. a. für Triumph Rocket III, Platz für einen Erwachsenen oder zwei Kinder
International – geländegängiger Beiwagen mit Wurzeln im britischen Trial-Beiwagen von 1950
GP Manx – sportlicher Einsitzer mit Glasfaserkarosserie auf einem Stahlrohrrahmen
Manx S – Kompakter Rollerbeiwagen speziell zur Individualisierung von Motorrollern
Grand Prix – kompakter Einsitzer mit abschließbarem Kofferraum
Monza - Sport-Tourer-Seitenwagen
Sterling – Ursprünglich für die BMW R 18 entwickelter Seitenwagen
Squire SB1 – Einsteiger-Komplettgespann mit vereinfachter GP-Manx-Karosserie auf Plattform-Fahrgestell mit Gummi-Torsionsfederung.
Werkstoffe heute
Während frühe Aufbauten aus Naturkorbgeflecht oder Aluminium auf Eschenholzrahmen gefertigt wurden, verwendet Watsonian heute durchgängig glasfaserverstärkten Kunststoff (GRP) auf geschweißtem, pulverbeschichtetem Stahlrohrfahrgestell.
Fahrzeugkompatibilität
Watsonian fertigt und montiert Seitenwagen für nahezu alle gängigen Marken (BSA, Ducati, Harley-Davidson, Honda, Indian, Kawasaki, Lambretta, Moto Guzzi, Royal Enfield, Suzuki, Triumph, Vespa, Yamaha u.a.); Ausnahme sind Harley-Davidson-Modelle mit Springer-Gabel, die für die zusätzliche Beiwagenlast ungeeignet sind. Anbau wahlweise links oder rechts.
Unternehmensdaten (Stand 2025/2026)
Geschäftsführer: Benjamin (Ben) Orson Matthews
Firmensitz: Watsonian Squire Ltd, Unit 72, Northwick Business Centre, Blockley, Moreton-in-Marsh, Glos GL56 9RF, UK. Importeur Deutschland: Iwan Bikes (Stand 2025)
Beiträge in MG 3, 4, 7, 8, 12, 14, 17, 19, 26, 30, 34, 38, 43, 45, 46, 47, 48, 52, 53, 67, 75, 100, 137, 143, 170, 174, 184, 186, 191, 197, 189, 200, 203, 205, 209