Stoye Fahrzeugbau Leipzig (1920–1990)
Gegründet 1920 von Walter Stoye in Leipzig; ab 1925 – gemeinsam mit Hans Mittenzwei – spezialisierte sich der Betrieb auf Motorradseitenwagen. Walter Stoye meldete zwischen 1928 und 1965 insgesamt 15 Patente an, von denen einige bis heute Anwendung finden.
Technische Innovationen und Patente
Besonders bedeutsam war das D.R.P. Nr. 511173 „Kugelschnellanschluss" vom 28. Juli 1929, das 1932 in einem Prospekt präsentiert und noch im gleichen Jahr zur DIN-Norm erhoben wurde; es fand rasch Eingang bei den meisten deutschen Kraftrad- und Seitenwagenherstellern. Ebenfalls wegweisend war das D.R.P. Nr. 549308, die Gummibandfederung (Neimand-Gummibandfederung) der Luxusmodelle, die trotz anfänglicher Skepsis ob ihrer Einfachheit weite Verbreitung fand. Hinzu kam die verstellbare Mittelstrebe (Dreipunktanschluss), die eine Anpassung des Sturzes zwischen Motorrad und Seitenwagen je nach Fahrbahnbeschaffenheit ermöglichte. Ab 1932 setzte Stoye auf Falztechnik, was die Boote stabil und leicht machte und zu zahlreichen Siegen bei anspruchsvollen Geländefahrten führte.
In den 1930er Jahren zählte Stoye zu den weltweit bekanntesten Seitenwagenherstellern; die Konstruktionen wurden vielfach im In- und Ausland kopiert.
Abb.: Ausschnitt aus Stoye Prospektblatt 1937.
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Modellpalette
Insgesamt entstanden rund 300 verschiedene Modelle und Versionen – darunter Links- und Rechtsläufervarianten – für Motorradmarken wie IFA, AWO (Simson), EMW (Eisenach) und MZ (Zschopau).
Im Buch "Tschechoslowakische Seitenwagen" von Marcel Malypetr ist beispielsweise ein ČZ 250 Armeegespann mit Stoye KS Geländeseitenwagen linksseitig dokumentiert. Erfolgreiche Nachkriegsmodelle waren SM, TM, TML sowie die Elastik- und Superelastik-Seitenwagen (letztere mit Torsionsstabfederung); die letzte Entwicklung war der Super Elastik für MZ.
Prospekt 1953. T(Tourenmodell)-Modell mit großem Heckraum.
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Verstaatlichung und Ende
Nach 1945 konnte Stoye durch Beziehungen zu Paul Greifzu und der AWO Suhl den Betrieb wiederaufbauen. 1967 wurde Walter Stoye aus der Geschäftsleitung gedrängt. 1972 ging das Werk vollständig in den VEB Motorradwerk Zschopau (MZ) über und firmierte fortan als „MZ Werk IV". 1990 liquidierte die Treuhandanstalt den Betrieb – das Ende eines der ältesten und international renommiertesten Seitenwagenhersteller der Welt. Die Gesamtproduktion belief sich auf rund 300.000 Seitenwagen, davon 150.000 zwischen 1950 und 1990.
Es ist anzunehmen, dass im Leipziger Werk immer wieder Mitarbeiter gab, die sich mit eigenen oder adaptierten Beiwagen selbstständig machten. Hinweise darauf finden sich auf der Internetseite motorrader-aus-leipzig.de, wo unter anderem die Marken AJL, ARKI, Fritz Rausch, Juwel, Krause, Rausch, Mozet, Superia und Uhlig gelistet sind.
Markenfortführung ab 1991
Seit Herbst 1991 bereichert der traditionsreiche Name Stoye wieder das deutsche Seitenwagenangebot. Helmut Walter und der ehemalige Verkaufsleiter des VEB Werkes IV, Klaus Hüne, sorgten für den Erhalt des Namens. Nach über einem Jahr Entwicklungszeit gelangte der erste Prototyp zur Serienreife; mit dem alten Blechboot der VEB-Ära hatte der neue Stoye nichts mehr gemein. Die Firma Walter bietet bis heute (Stand 2025) Beiwagen unter dem Namen Stoye an.
Siehe auch: DDR-Beiwagen
Beiträge über historische Stoye-Beiwagen in MG:
Stoye 2 Nachbau, Walter, Nachricht .. 133
Stoye 2 Walter-Nachbau an BMW R 850 R .. 144
Stoye Classic von Walter, Kurzvorstellung .. 131
Stoye RS an Goldwinggespann .. 118
Stoye RS mit 1200 GT, Walter-Umbau .. 125
Stoye RS SW an BMW K 1200 LT .. 51
Stoye RT .. 16
Stoye Sport .. 34
Stoye SS Luxus-Nachbau, Nachricht .. 85
Stoye Tourisme .. 13
Stoye TR/TS, historisches, Ausfahrt .. 19
Stoye Treffen 2022 in Leipzig .. 192
Stoye, Historik .. 58
Stoye/Précision, Bild .. 9
Stoye-Zweisitzer von Walter .. 14