Steib

Steib-Beiwagen. Hersteller: Josef Steib, Nürnberg. Produktionszeitraum: 1914 bis 1965.

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Geschichte

Josef Steib begann 1914 in Nürnberg mit der Beiwagenfertigung. Die ersten Fahrgestelle waren geschraubt. In den 1930er Jahren war Steib der weltweit größte Beiwagenhersteller. Das Unternehmen belieferte bis in die 1950er Jahre zahlreiche Motorradhersteller als Erstausrüster, darunter BMW, NSU und Zündapp. Steib-Beiwagen wurden von vielen Motorradherstellern für ihre Modelle als Komplettgespann angeboten, teilweise unter Eigennamen und mit individueller Ausstattung – ein bekanntes Beispiel ist Horex.

In Großbritannien importierte die Firma AFN in Middlesex Steib-Seitenwagen in beträchtlicher Zahl, etwa von 1925 bis 1938. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte der Import wieder auf und bestand bis zur Einstellung der Steib-Produktion.

 

Wiederaufbau nach 1945

Steib hatte den Krieg schwer beschädigt überstanden. 1945 wurde trotz fehlender Materialien (Blech, Stahlrohr, alle Kleinteile) ein Umsatz von 120.000 RM erzielt. Das Finanzamt forderte gleichzeitig eine Steuerabschlusszahlung von 53.000 Mark für das Jahr 1944; Steib beantragte Ratenzahlung.

Das Wirtschaftsleben wurde von Bezugsscheinen bestimmt. Sogar einfache Muttern M 8 erforderten Bezugsscheine (belegt durch ein Schreiben der Firma Wirth, Plettenberg, vom 23. September 1947). Vollständige Beiwagen wurden nur auf Bezugsschein geliefert. Es blühte der Schwarzmarkt: Im Tausch gegen Beiwagen wurden Werkzeugbezugsscheine, Rohmaterial und anderes angeboten.

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Neustart nach der Währungsreform 1948

Am 20. Juni 1948 wurde in den Westzonen die Währung umgestellt. Steib startete zuversichtlich in die neue Zeit: Der S 350 sollte im Herbst 1948 für 330 DM erhältlich sein, der S 500 Luxus ab Frühjahr 1949. Händlerrabatt: 17 %, Skonto bei Barzahlung: 3 %.

Bestellungen trafen von allen Seiten ein. Die Horex-Columbus-Werke orderten bereits im August 1948 die ersten fünf Beiwagen. Im Oktober 1948 bestellte die Firma zehn Sport-Seitenwagen vom Typ LS 200 für die 350er Horex. Im gleichen Monat bestellte Steib bei der Gesenkschmiede Engelbert Tacke in Gevelsberg je 10.000 Fensterstützen rechts und links, ein deutliches Zeichen des Vertrauens in hohe Stückzahlen. 1949 wurden bereits wieder etwa 14.000 Beiwagen hergestellt. Steib entwickelte sich in der Folge zum größten Beiwagenhersteller der 1950er Jahre, bis das Unternehmen 1965 die Produktion einstellte.

 

Nachbauten und Weiterführung

Steib-Nachbauten wurden und werden unter anderem von folgenden Firmen angeboten: Walter, Carell, Ideal und Mobec-HeMoS.

Prospekte historischer Steib-Modelle gibt es zum Download bei der Firma Ideal in Berlin: https://www.ideal-seitenwagen.eu/downloads/

 

 

Beiträge in Motorrad-Gespanne, Nr. 28 (Historik „Schwierige Zeiten – Steib nach 1945", Juli 1995)

Letzte Bearbeitung: 19. April 2026

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