Gespannhersteller Markus Pohl. Ab 2022 aktiv, doch schon Jahr zuvor fertigte Markus Pohl in größerem Umfang Gespanne.
Pohlgehört zu den Herstellern mit hoher Fertigungsintensität und vergleichsweise kurzen Lieferzeiten von unter drei Monaten (Stand 2025). Konzentration auf standardisierte Fahrgestelle mit Metallaufbauten.
Beiwagen:
Beitrag aus MG 2010, November 2025
Portrait: Markus Pohl – Meister des schnellen Gespannbaus
Lieferzeit ist Trumpf
Umbauzeiten zwischen zwei bis sechs Wochen gibt es nur im niederbayerischen Wiesenfelden bei Markus Pohl. Eine solche Leistung erfordert Können und eine konsequente Ausrichtung der Fertigung.
In einer kleinen Werkstatt fing Pohl mit dem Basteln an Motorrädern an. Er schraubt zunächst an den eigenen Mopeds und den seiner Freunde. Zunächst waren es vor allem Streetfighter-Umbauten die ihn faszinierten. Die Begeisterung für Motorrädern wurde von einer Lehre als als Bauschlosser begleitet. Nach der Ausbildung heuerte er für ein Jahr in einem Betrieb für Baumaschinen an, der Bagger herstellte. Danach wechselte Pohl zu BMW und blieb dort für 22 Jahre und schon im Alter von 20 Jahren meldete Markus Pohl ein Kleingewerbe an.
Als Motorradverrückter war es für ihn undenkbar im Winter nicht zu fahren. Die war dann auch die Vorlage sich mit dem dritten Rad zu beschäftigen. Pohl: „Mit der Motorradclique wollten wir zum Elefantentreffen fahren. Das Problem, auf meinem Motorrad konnte ich beiweiten nicht mitnehmen was mir vorschwebte. Mein nächstliegende Gedanke: Ein Beiwagen zum Transport für die umfangreiche Campingausrüstung. Das war die Lösung!“
Das erste Gespann war 2011 fertig. Wie er uns berichtet, schraubte er einfach mal drauflos, probierte viel aus und lernte aus Fehlern. Aus Blechtafeln fertigte er zunächst eine einfache Bootsform mit einem großen Innenraum. Neben den Motorradumbauten zu Streefightern kam jetzt der Gespannbau hinzu. „Gearbeitet habe ich nach Fererabend und am Wochenende und die ersten Gespannkunden waren Bekannte und Freunde denen meine Arbeit gefiel.“, so Markus Pohl.
Seit sich der Niederbayer für Motorräder begeisterte, war sein Traum eine Münch zu besitzen. Wie er uns vorschwärmt, war er schon als jugendlicher von dieser Motorradikone fasziniert, 2017 war es dann endlich soweit. Es bot sich die Gelegenheit eine stark restaurierungsbedürftige Münch zu kaufen.
Jetzt hatte Markus Pohl ein anderes Problem an der Backe: Die notwendigen Teile zum Restaurieren wurden entweder mit Gold aufgewogen oder waren schlichtweg nicht zu bekommen. Er begann die Teile selbst nachzubauen. Wie er uns weiter berichtet, wurde schon bei der Planung deutlich, dass Kosten und Aufwand nur im Verhältniss standen, wenn er die Teile gleich im Dutzend herstellte, wovon dann auch andere Münchbesitzer profitierten.
Sein Nebengewerbe hatte mittlerweile einen solchen Umfang, dass er bei BMW kündigte und sich im Jahr 2022 seinen Betrieb als Hauptgewerbe anmeldete. Von der Schraubergarage ging es in eine große Halle mit viel Platz. Zur Ausstattung gehört mittlerweile eine CnC-Fräsmaschine und -Drehbank, eine Pulverbeschichtungsanlage und diverse Apperate zur Blechverarbeitung. Als Lager dienen weitere Garagen und ein Nebengebäude.
Aus dem Dilemma mit der Einzelanfertigung bei den Münch-Teilen hatte Pohl gelernt, dass auch beim Gespannbau nur die Teilefertigung in Kleinserie eine Grundlage bietet, erfolgreich in diesem Nischenbereich zu bestehen. Beiwagenfahrgestelle fertigt er mit seinen zwei Mitarbeitern immer gleich im Dutzend, das gilt auch für die Anschlussteile. Verschweißt werden die Komponenten sobald das Motorrad auf dem Hof steht. Gerade bei den oft nachgefragten Motorrädern wie die GS-Modelle von BMW, gewährt diese Vorgehensweise eine immense Zeitersparnis. Lieferzeiten von zwei Wochen sind bei diesen Modellen die Regel. Umbauten die selten nachgefragt werden, kann der Kunde sechs Wochen nach der Anlieferung der Zugmaschine abholen.
Bei vollem Auftragsbuch findet Markus Pohl auch noch die Zeit an seinem neusten Projekt zu arbeiten: Eine Fahrwerksbasis bei dem alle drei Räder mit Differential-Untersetzung, Rückwärtsgang und Sperre für jedes gängige Motorrad verwendbar ist. Wir sind gespannt.
Bernhard Götz