Mega Comete (Side Bike)

Das 1990 als Modellvariante erschienene „Mega Comète“ auf FJ-Basis und später auch dessen Pendant mit der Yamaha GTS 1000 war mit der „Synchroforce“-Bremsanlage. Allerdings lag auch hier die vordere Scheibe tief in der Radschüssel und thermische Probleme waren nicht ausgeschlossen.

 

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Die Seitenradlenkung brachte nicht nur positive Eigenschaften mit. Es kostete spürbar mehr Kraft, zwei Räder mit dem schmalen Yamaha-FJ-Lenker zu einer Richtungsänderung zu bewegen. In der Folge verfeinerte Perrin seine Konstruktion, wovon Leichtgängigkeit und Ansprechverhalten spürbar profitierten. Geradeauslauf, Unempfindlichkeit auf Spurrillen und Kurvenlage waren bei penibler Abstimmung tadellos.

Für deutsche Gespannfahreraugen mutete der Seitenwagen damals recht futuristisch an. Dabei fiel er mit hochwertiger Verarbeitung und gediegenem Interieur auf, außerdem bot er Bequemlichkeit sowie genügend Platz für zwei mittelgroße Erwachsene.

Als Manko entpuppten sich der durch die starr in die Karosserie integrierte Windschutzscheibe, sie beengte Ein- und Ausstieg.

 

 

 

Neuheiten 1988

 

Im Fokus der im September 1988 erschienene Urausgabe von M-G stand der Umbau der BMW K 100 RS von Walter. Zuvor hatten die Hartmann-Brüder den Sporttourer bereits mit ihrem Dreamline kombiniert. Helmut Walter stellte an seiner K eine Zweiarm-Schwingengabel mit Zentralfederbein vor. Als Beiwagen wählte er den Jewell „Junior“. Zunächst Importeur der französischen Boote, kaufte der Hesse die insolvente Manufaktur Anfang 1989 kurzerhand auf und übernahm deren Modellpalette in sein Programm. Daneben stellte er auf der Kölner Ifma eine Seitenradlenkung vor, die aber nie in Serie ging.

Die Vormachtstellung von BMW im Gespannmarkt prägten auch andere Kombinationen. EZS zeigte seine brandneue Familiengondel TPS an einer BMW K 100 LT – und M-G das Gespann als Titelgeschichte in Nr. 1. Peter Kalich und Heinz Bals widmeten sich dagegen den Zweiventilboxern: der Badener mit den klassischen Gondeln „Sport“ und „Family“, der Ostwestfale mit den Typen HBC (Classic), HBT (Touring) und dessen Breitversion HBF (Family). Auf Komfort für die ganze Familie zielte ebenfalls die Honda GL 1500/6 mit dem Jeaniel „Condor“, die Horn in Iserlohn anbot. Jeaniel gehörte damals wie Side Bike dem Fabrikanten Pierre Lamoille. Mit dem „Shoo“ nahm auch Carell die Familienoberhäupter ins Visier.

Doch auch mit klassischen Einsitzern ließen sich gute Geschäfte machen. Watsonian-Importeur Lohré traf mit seiner Suzuki LS 650, die er mit dem „Monza“ und dem „GP“ anbot, voll ins Schwarze. Daneben waren EML mit der Honda XBR 500/Mini und Juca mit der Honda NTV 650/Velorex 562 in der unteren Mittelklasse vertreten. Für Enduristen baute VMC die Suzuki DR 600 und Hermeling/Wasp die neue DR 750 S Big mit offenen Beiwagen zum Mitturnen um.

Zu den Gespann-Sensationen zählte das Flexit des Südafrikaners Hannes Myburgh. Der Schwenker kam später über EZS mit großen Tourern auf den Markt. Motorrad und Boot waren über zwei hintereinander angeordnete Anschlüsse verbunden. Integrierte Duplexkettensegmente sorgten dafür, dass sich Maschine und Boot immer parallel zueinander in die Kurven neigten. Das Rad lief mittig unter dem Boot, dessen Kuppelscheibe zum Einstieg nach vorne geschoben wurde. Bis 2005 produzierte Myburgh sein Flexit.

 

Axel Koenigsbeck