Hartmann, Horst

Horst Hartmann drehte schon seit seiner Jugendzeit beherzt am Gasgriff. Und sogar mit 80 Jahren ließ es sich der Ingelheimer nicht nehmen, mit seinem Straßensportgespann an Klassikrennveranstaltungen teilzunehmen. Auf der Straße hatte Horst ursprünglich auch seine motorsportliche Karriere starten wollen. Doch die als Beifahrerin eingeplante Gattin fiel wegen Schwangerschaft aus, und so schwenkte er mit seinem jüngeren Bruder Falk auf Geländerennen um.

Der Erfolg sollte nicht lange auf sich warten lassen. 1966 wurde das Brüderpaar erstmals Deutscher Geländemeister, 1968 folgte der zweite und 1970 der dritte Titel. Dann stieg der – im Oktober 2014 verstorbene – Falk aus. Horst ackerte weiter durch Feld und Wald, was mit dem vierten DM-Gewinn 1974 belohnt wurde.

Dann verlegte er sich auf Straßenrallys, wiederum mit zahlreichen Erfolgen. Zu diesen gehörte der Klassensieg bei der „Lüttich-Nizza-Lüttich“ 1982 ebenso wie sieben Gewinne der Deutschland-Trophy respektive DMV-Euro-Trophy zwischen 1982 und 1998. Bei seinen zahlreichen Einsätzen haben Horst über sechzig Beifahrer unterstützt. Und es gehörte schon Mut dazu, bei ihm ins Boot zu steigen.

Denn selbst im hohen Alter fuhr er noch schneller als so mancher „Jungspund“ und dabei ausgesprochen sicher.

Aus den Geländesport-Aktivitäten entstand Anfang der 1970er Jahre eine fruchtbare Zusammenarbeit mit EML- Gründer Hennie Winkelhuis. Der Niederländer baute zunächst die Fahrwerke für die Wettbewerbsgeräte. Dann kam das Duo auf die Idee, Straßengespanne auf Basis der R-Modelle von BMW zu entwickeln.

Zu jener Zeit waren die Boxer ab Werk nicht mehr seitenwagentauglich. Ende 1974 stand die erste R 90/6 auf drei Rädern. Offensichtlich hatten Horst und Hennie voll ins Schwarze getroffen. EML avancierte bald zu einem weltweit bekannten Gespannhersteller und die Hartmänner zu einer der ersten Adressen für das dritte Rad in Deutschland.

Doch Horst ließ der Renn-Bazillus nicht los. So schmiedeten er und Bruder Falk Ende der 1970er Jahre den Plan, einen Boxergespann-Cup mit identischen Fahrzeugen aufzuziehen. Das Projekt sche terte an den Kosten, und es blieb bei vier Rennern.

Ab 1988 ging Horst geschäftlich eigene Wege. Im Nachbarort Heidesheim-Uhlerborn gründete er die Firma HGT (Hartmann GespannTechnik), um seine schon zuvor entwickelten Beiwagen Dreamline und Airline zu vermarkten. Außerdem nahm er die finnische Tourengondel Speeding 2WS in sein Angebot. Ende 2009 meldete der beseelte Gespannkonstrukteur sein Gewerbe nach fast 40 Jahren ab und betrieb die Schrauberei fortan nur noch als Hobby. Einen Nachfolger für sein Geschäft fand er leider nicht.

ak, MG 153

 

 

Insgesamt entstanden bei HGT:

 

Beitrag in MG 173

 

 

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Erste Honda-GL-Kombination mit den Tour-Beiwagen

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Horst Hartmann, 2006 auf seinem 50. Elefantentreffen.

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