Bei der Kombination von einem Kraftrad mit einem Beiwagen spricht man von einem Gespann oder treffender, von einem Motorradgespann. Dabei handelt es sich um ein dreirädriges Fahrzeug, bei dem das Beiwagenrad zum Hinterrad einen Vorlauf hat, die Räder sind asymmetrisch angeordnet.
Welche Krafträder - auch Motorroller - als Zugmaschinen verwendet werden, kann der Kunde entscheiden. Nur bei Serienprodukten (QJ Motor, Ural, Mash, Changjiang u.a.) ist die Wahl eingeschränkt. Da erst der Beiwagen ein Motorrad zum Gespann macht, ist die Entwicklung der Gespanne im Eintrag Beiwagen nachzulesen.
Manche Publikationen informieren falsch oder verwirren mehr, als dass sie aufklären. Beispiele:
Aus einem Lexikon von 1965
"Seitenwagen, Beiwagen, beim Kraftrad ein am Rahmen seitlich angebrachtes, als Wanne oder Kasten ausgebildetes Zusatzfahrzeug mit einer nicht angetriebenen, bremsbaren Achse für Personen, Gepäck oder Güter. Der S. muss an mindestens drei Punkten an das Kraftrad angeschlossen werden. Zur besseren Lenkbarkeit müssen Kraftrad und S. einen Radsturz haben, die S-.Achse muss der Hinterachse voreilen (Vorspur)..."
Brockhaus Enzyklopädie, 2001
"Seitenwagen, Beiwagen, ein einrädriges Fahrzeug zur Personen oder Lastenbeförderung, das an Krafträder (Motorräder, seltener Motorroller) seitlich angeschlossen wird. Er besteht meist aus einem Rohrahmen und einer ungefedert aufgesetzten bootsförmigen Aufbau zur Personenbeförderung oder einem Kasten oder Pritschenaufbau für den Lastentransport. Das Seitenwagenrad ist gegen den Rahmen mit Blatt-, Schrauben,- Torsions- oder Gummifedern abgefedert..."
Wikipedia.org/wiki/Motorradgespann, 2026
Als Motorradgespann, auch Motorrad mit Beiwagen oder (insbes. regional Motorrad mit Seitenwagen, auch Beiwagenmaschine, wird ein Kraftrad mit einem seitlich durch ein drittes Rad abgestützten Transportbehälter bezeichnet.
In der deutschen Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) gibt es keine Seitenwagen oder Gespanne. Der Gesetzgeber kennt nur den Beiwagen. So heißt es dann auch in den Fahrzeugpapieren: Für den Beiwagenbetrieb nicht geprüft, nicht geeignet oder, Kraftrad mit Beiwagen.
Gespann-Bestand
Im Jahr 1992 wurden die Zahl der Krafträder mit Beiwagen von Statistischen Bundesamt zum letzten Mal erhoben. In einer Fußnote heißt es: Motorräder mit Beiwagen 12.747, Roller mit Beiwagen 226. Diese Zahl wurde anhand der Schlüsselnummer 019 ermittelt. Gespanne mit wahlweisem Eintrag erhielten aber keine neue Schlüsselnummer, sie tauchten in dieser Statistik nicht mehr auf.
Im MOTORRAD-GESPANNE-Katalog von 1997 findet sich eine Tabelle der Bestandszahlen von 1986 bis 1994. Die Zahlen 1993 und 1994 wurden in Zusammenarbeit des Industrieverbandes Motorrad (IVM) mit dem Kraftfahrtbundesamt (KBA) ermittelt. 1994 lag der Gesamtbestand inklusive der Zahlen in den neuen Bundesländern bei etwas über 20.000. Der sprunghafte Anstieg ist vor allem durch die vielen nach der Wende umgemeldeten MZ-Gespanne und die damals starken Dnepr-Zulassungen zu erklären.
MOTORRAD-GESPANNE hat ab 1988 bis 2015 durch Marktbeobachtungen und regelmäßige Umfragen die tatsächlichen Bestandszahlen hoch gerechnet und verglichen. Dazu wurden nicht nur die Zahlen des KBA verwendet, sondern auch die Verkaufsangaben der Hersteller sowie die geschätzten Zahlen an Oldtimer-Gespannen. Bis zum Jahr 2000 lag der Gesamtbestand bei etwa 35.000 Stück.
Der Markt hat sich seit der Jahrtausendwende geändert. Obwohl die Neuzulassungen sanken, stieg der Gesamtbestand weiter an. Axel Koenigsbeck recherchierte 2007 im Rahmen des gemeinsamen Auftretens der Händler gegen die Anwendung der Abgasnorm Euro 3. Die Zahl der umgebauten Euro-3-Motorräder für das Jahr 2006 lagen bei 300 Stück.
Dazu addieren sich die Wahlweise-Umbauten, Gespanne mit Zugmaschinen älterer Baujahre, Eigenbauten sowie die Komplettgespanne wie zum Beispiel Ural oder Zeus. Das ergibt in der Summe eine Stückzahl von 700. Der jährliche Bestandszuwachs, der in den 90er Jahren, der bei über1900 Stück betrug, ist rapide gesunken.
Da ein Gespann nur selten verschrottet wird, ist bei der Ermittlung des Gesamtbestandes nur eine geringe Anzahl von Fahrzeugen anzusetzen, die aus dem Bestand fallen. Unter Berücksichtigung der genannten Aspekte liegt der zugelassene Gesamtbestand, inklusive der Gespanne vor Baujahr 1990, im Jahr 2026 zwischen 37.000 und 40.000 Stück.
Anmerkungen
Wer in Deutschland den Motorradführerschein erworben hat, hat damit auch die Berechtigung das Motorrad mit Beiwagen zu fahren. Dabei unterscheidet sich das Fahren eines Einspurfahrzeugs von dem eines Zweispurigen erheblich. Siehe Gespannfahren lernen.
Der Anbau eines Beiwagens verändert die Zulassung eines Kraftrades nicht. Es ist zulassungsrechtlich immer noch ein Einspur-Fahrzeug, Klasse L4e. Siehe Straßenverkehrszulassungsordnung.
Von Behördenseite ist man noch auf dem Stand von 1930, als Stoye den Schnellverschluss erfand. Mit dieser in den 1930er Jahren von nahezu allen Motorrad- und Beiwagenherstellern verwendeten Verbindung, konnte die Kombination Motorrad und Beiwagen in kurzer Zeit getrennt und wieder verbunden werden.
Wenn es darum geht, eine Botschaft zum Verbraucher zu transportieren, bedient sich die Werbebranche schon seit 100 Jahren mit Vorliebe dem besonderen Image der Motorradgespanne.
Beispiele: Coca Cola, Louis-Vuitton, Filmwerbung, Freßnapf.
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Siehe auch: Gespannfahren und -technik