Krafträder mit Beiwagen sind asymmetrische Fahrzeuge. Das heißt: Hinterrad und Beiwagenrad sind nicht auf gleicher Höhe. Bei Gespannen läuft das Beiwagenrad vor dem Hinterrad. Die Differenz in Millimetern ist der Vorlauf.
Technisch richtig bezeichnet man den negativen Nachlauf eines Rades als Vorlauf. Beim Gespann ist dabei aber der Vorlauf des Seitenrades gegenüber dem Hinterrad gemeint. Er verursacht einen Spurfehlwinkel in der Kurve, der das Schieben eines nicht gelenkten Rades mit sich bringt.
Ein kurzer Vorlauf bis etwa 200 Millimeter würde zwar ein leichtes Lenken und eine hohe Spurtreue ermöglichen. Doch bei solch geringem Vorlauf würde die Beiwagenschnauze in fast jeder Linkskurve Straßenkontakt bekommen.
Bei leichten Gespannen mit Einsitzern liegen die Werte zwischen 300 bis 350 Millimeter. Der Spurfehlwinkel erschwert das Lenken weniger als ein Lenkungsdämpfer. Bei langen Radständen und breiter Spur werden 400 Millimetern und mehr gewählt. Dieser relativ hohe Wert bringt einen ruhigen Geradeauslauf, und vor allem verschiebt er den Gespannschwerpunkt weiter hinter die vordere Kippachse, was eine sehr stabile Kurvenfahrt ermöglicht.
Der große Spurfehlwinkel erzeugt jedoch ein deutliches Schieben, wenn er nicht durch die richtige Vorspur ausgeglichen wird. Beim Schieben geht die Haftreibung eines Reifens in eine Gleitreibung über, was einen Traktionsverlust bedeutet und schnell den gegenteiligen Effekt einer stabilen Kurvenfahrt verursacht. Große Vorlaufwerte werden typischer Weise bei Gespannen mit gelenktem Seitenrad verwendet. Ein großer Vorlauf erzeugt aber auch ein spürbares seitliches Nicken bei Querrillen.