ef-tech

Gespannhersteller, Jochen Brett, Importeur und Vertriebspartner von:

 

 

Auszug aus dem Firmenportrait in MG 169

 

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Jochen Brett als Gespannhersteller zu bezeichnen, trifft die Sache nicht ganz, er ist eher ein Monteur. Er verheiratet nach Kundenauftrag aus vorhandenen Komponenten Motorräder mit Seitenwagen.

Maschinenseitige Hilfsrahmen werden meist von einschlägigen Herstellern bezogen; die Hilfsrahmen für Zweiventil-Boxer aus dem Hause BMW und die maschinenseitigen Anschlüsse für ältere Guzzis kommen aus eigener Fertigung. Kleinteile wie Radadapter oder Anschlussteile werden bei Bedarf selbst gefertigt. Die Firmengeschichte ist aber auch untrennbar mit Dnepr und Ural verknüpft.

Anfang der 1990er Jahren gründete er mit Albrecht Bergner die Firma Brett und Bergner. Bergner besaß eine Dnepr MT16 mit angetriebenem Seitenwagenrad, und bald wurde auch für Brett das Fahren auf drei Rädern selbstverständlich.

Mit diesem ersten in die Werkstatt gespülten Dnepr-Gespann fuhr er zum Motorradstammtisch, und gleich drei Leute bestellten solch einen Russen. Damaliger Verkaufspreis: knapp 2000 D-Mark. Bald ging es Schlag auf Schlag, Dnepr wurden in regelmäßigen Lieferungen direkt ab Werk nach Mühlhausen angeliefert. Es gab gar einen eigenen Speditionsdienst für die Russendreiräder. Im Zwei- bis Dreiwochentakt wurden fünf oder sechs Gespanne und Teile angefahren. Damals üblich: Jeder, der fünf oder mehr Gespanne einkaufte, durfte sich Importeur nennen, so auch Brett und Bergner.

Jochen Brett: „Die Bestellung eines solchen Containers glich dem Kauf von einem Überraschungsei – nie wusste man, wieviele Gespanne man aus dem gelieferten Inhalt fahrfertig zusammenbauen konnte.“

Auch versuchte man sich als Importeur der Marke Tecpama mit dem Modell Kahena aus Brasilien – ein großer, plastikverschalter Eisenhaufen auf drei Rädern mit einem 1600er Boxermotor aus dem VW Käfer. Doch mit dem südamerikanischen Hersteller konnte man nicht planen, die Lieferung erfolgte eher zufällig und nur sehr zögerlich. Auch war die Nachfrage gering, und das trotz eines vergleichsweise günstigen Preises.

Zwar hatte sich ef-tech auf die Dnepr-Exportmodelle festgelegt, doch selbst die hatten ihre Tücken. Ungehärtete Getriebezahnräder, nicht vorhandene Lenkkopflager, unrunde Räder oder nicht richtig vergossene Bremsringe aus Grauguss in den Leichtmetallnaben – sogenannte „Inlandsmodelle“ mit mangelhaften Schweißnähten oder Gießlunkern in den Motor- und Getriebegehäusen, Räder, die schon im Neuzustand einen Höhen- oder Seitenschlag im Zentimeterbereich hatten. Es war die Zeit des Übergangs, aus Teilen der Sowjetunion wurde Russland.

Ein Großhändler mit hunderten von Gespannverkäufen war um 1994 die Firma Blandfort. Albrecht Bergner schied 1995 aus der Firma aus, und auch Blandfort wandte sich nach seinem Intermezzo als Großimporteur anderen Unternehmungen zu.

Daraufhin entstand eine Händlergemeinschaft um Johann Schwarz. Schwarz war aus Russland nach Deutschland übergesiedelt und hatte gute Kontakte zur Beschaffung der billigen Russengespanne aus dem Hause Ural mitgebracht. Mit dabei: Jochen Brett. Nach fünf Jahren löste sich die Händlergemeinschaft auf.

Als ein weiterer Player der Dnepr- und Ural-Szene, Theo Däschlein, 2005 aus dem Russen- und Ukrainegeschäft ausstieg, übernahm Jochen Brett den kompletten Teilebestand, der aus zwei LKW-Ladungen bestand. Neugespanne bezog er über die Firma Haubrich, die bis etwa 2007 aktiv war und als erster Importeur versuchte, die Qualität der Ural zu verbessern. Das schlug sich selbstredend im Preis nieder. Innerhalb weniger Jahre verdoppelte sich der Neupreis der Gespanne aus Irbit.

Verstärkt wurden bei Brett jetzt auch gebrauchte Motorräder zum Gespann umgebaut; von BMW bis Yamaha, die Marke spielte keine Rolle. Noch hatten fast alle Motorräder ausreichend stabile Rohrrahmen, die mit einem angepassten Hilfsrahmen gespanntauglich gemacht werden konnten.

Als der Ural-Europa-Import aus Österreich kam, wurden in Mühlhausen keine neuen Urals mehr verkauft. Nur die stabilen und einfach gestrickten Blechseitenwagen und die dazugehörigen Fahrgestelle werden bei ef-tech noch immer jährlich im Dutzend für Umbauten verwendet. Bei dieser Ausrichtung ergab sich die Zusammenarbeit mit Hans Bauhs.

Das Urgestein der Gespannszene Hans Bauhs fertigte schon seit den 1960er Jahren Anschlussteile, Hilfsrahmen und spezielles Zubehör in Steib- und Stoye-Tradition. Brett versorgte sich für seine klassischen Umbauten fast ausschließlich aus dessen Teileprogramm,. Material, dass sich auch heute noch hervorragend für den traditionellen Zusammenbau von Motorrad und Beiwagen eignet. Insbesondere die von Stoye vor hundert Jahren erfundenen Kugelkopfanschlüsse haben sich bei zehntausenden von Umbauten bewährt, auch bei Motorrädern bis zu 100 PS. Für einfache und daher auch preiswerte Umbauten, wie sie überwiegend bei Brett gefertigt werden, sind sie ein unverzichtbares Anschlussteil und nicht an jeder Ecke zu bekommen.

Im Jahr 2016 übernahm Jochen Brett sämtliches Material von Hans Bauhs, der im Februar 2018 verstarb. Er ist jetzt der Anbieter für Anschlussteile, Hilfsrahmen und spezielles Zubehör für klassische Umbauten, von denen nun jede Menge in Mühlhausen lagern, „auch vieles Unbekannte, bei dem ich noch nicht weiß wo es eigentlich hingehört. Der Hans starb einfach zu früh und hat viel Wissen mitgenommen“, sagt Jochen Brett.

Ein weiterer Mosaikstein der Firmengeschichte: Seit 2018 ist Kfz-Meister Brett auch Gespannhändler des französischen Herstellers Mash – ein klassisch traditionell aufgebautes Gespann mit einem modernen Motor aus China und einem günstigen Preis. Es folgte das Angebot von Changjiang.

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https://www.ef-tech.de

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