Velorex

Die Beiwagen wurden ursprünglich in der ehemaligen Tschechoslowakei für Jawa-Motorräder entwickelt. Neben dem Urtyp entstanden verschiedene Nachbauten und Weiterentwicklungen, darunter die Modelle 562, 563, 565 mit vergrößertem Gepäckraum sowie der Typ 700 mit hochgezogenem Kofferraum.

 

Der Ur-Typ von Velorex
[image]

Die bis in die 2010er Jahre mit einer nur 15 mm Durchmesser ausgerüsteten Beiwagen-Radachse gelten war für die Jawa ausreichend stabil, für leistungsstärkere Zugmaschinen aber als zu labil. Meist wurden diese von den deutschen Herstellern mit stärker dimensionierter Radachse ausgestattet. Inzwischen werden im Werk nur noch Radachsen mit 20 mm eingebaut.

 

Historische Entwicklung

Die Brüder František und Mojmír Stránský gründeten kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs eine Fahrradwerkstatt unter dem Namen Moto Velo Sport und begannen dort mit der Entwicklung eines Kleinstwagens. Der erste Prototyp des dreirädrigen Fahrzeugs OSKAR – eine Abkürzung für "kára na ose" (Karre auf Achse) – entstand 1943. Zwei Jahre später ging das Fahrzeug in Serie.

Bis 1971 produzierte das inzwischen verstaatlichte und in Velorex umbenannte Unternehmen verschiedene Kleinwagenmodelle. Als Antrieb dienten überwiegend Zweitaktmotoren von Jawa, daneben auch 175-cm³-Einzylinder von ČZ. Der vierrädrige Nachfolger Typ 435 mit dem 350-cm³-Zweizylindermotor von Jawa erwies sich als wirtschaftlicher Fehlschlag und wurde bereits nach zwei Jahren vom Markt genommen. 1975 wurde das Werk in Solnice geschlossen.

Bereits 1956 hatte das Velorex-Werk in Žamberk mit der Fertigung des ersten Seitenwagenmodells Typ 560 begonnen. 1973 folgte der einfacher zu produzierende Typ 562, der ursprünglich für die Jawa 350-634 konzipiert war. Bis zum Zerfall des Ostblocks im Jahr 1990 fertigte Velorex insgesamt rund 290.000 Beiwagen und exportierte diese über die staatliche Handelsorganisation Motokov in 62 Länder auf fünf Kontinenten.

Die politische Wende traf Velorex – wie die gesamte osteuropäische Motorradindustrie – besonders hart. Innerhalb kurzer Zeit brachen die wichtigsten Absatzmärkte weg. In Žamberk standen nach 1990 mehrere tausend Beiwagen des Typs 562 auf Lager, die ursprünglich für die Sowjetunion bestimmt waren, wie Classic Bikes & Sidecars berichtet.

1992 wurde Velorex in einzelne Unternehmen aufgespalten. Martin und Suzanna Kos übernahmen als geschäftsführende Partner den Betrieb in Žamberk. Mit rund fünfzig verbliebenen Mitarbeitern begann die Produktion von Pkw-Anhängern, um den Wegfall der Seitenwagenfertigung zumindest teilweise zu kompensieren. Parallel dazu wurden Käufer für die umfangreichen Lagerbestände an Beiwagenkarosserien gesucht und neue Absatzmärkte in Westeuropa und Nordamerika erschlossen.

Nach und nach erwarb das Ehepaar Kos die Unternehmensanteile der Belegschaft, bis sich Velorex 1998 vollständig in ihrem Besitz befand. Zu diesem Zeitpunkt war die Beiwagenproduktion mit den Modellen 562-09, 563, 565 und 703 wieder aufgenommen worden. 2015 endete die Anhängerfertigung, und das Unternehmen konzentrierte sich mit nunmehr zehn Mitarbeitern ausschließlich auf das Seitenwagengeschäft. 2016 traten die Söhne Martin jun. und Tomáš Kos in das Unternehmen ein. Die Geschäftsleitung soll künftig von Martin übernommen werden, während Tomáš für Vertrieb und Marketing verantwortlich bleibt.

Stand 2023, Beitrag MG 200, ak

 

Im Beiwagenprogramm von 2025 werden im Werk der Tschechischen Republik noch drei Beiwagen angeboten:
- Modell 562
- Modell 563
- Modell 565

 

 

Modell 562

[image]

Daten Velorex Modell 562 (Umbau IWAN-BIKES)

 

 

Beschreibung Velorex 562 (ab Werk)

Einsitziger Beiwagen, der an die meisten Motorräder angebaut werden kann. Rohrrahmenfahrwerk mit Schwinge, 20-mm-Radachse und progressivem Federbein mit einstellbarer Federvorspannung.
Rad mit Trommelbremse, Bereifung 3,50 × 16“, Felge 2,15 × 16“. Trittstufe vor dem Kotflügel.

Die Karosserie besteht aus zwei GFK-Formteilen. Das schwarze Unterteil besitzt eine strukturierte, gegen Steinschlag widerstandsfähige Oberfläche. Oberteil und Kotflügel sind serienmäßig schwarz lackiert. Auf Wunsch ist eine Lackierung in Fahrzeugfarbe möglich.

Ausgeformter Sitz und Rückenlehne aus wasserfester Kunstlederpolsterung. Hinter der Rückenlehne befindet sich ein abschließbarer Gepäckraum. Im vorderen Bereich ist eine Fußstütze integriert. Der Boden ist mit einem herausnehmbaren Teppich ausgestattet. Die Einstiegöffnung kann abgedeckt werden. Serienmäßig ist eine niedrige Schutz-Plexiglasscheibe montiert.
[image]

Optionale Ausstattung

Gepäckträger (verchromt, schwarz, lackiert), vorderer Schutzbügel (verchromt, schwarz, lackiert), lackiertes Rad, Abdeckung der Einstiegöffnung, Regendach, getöntes oder hohes Plexiglas, verchromte Anbauteile, Innenausstattungen mit Stautaschen in verschiedenen Farben, Beleuchtung des Gepäckraums, 12-V-Steckdose, USB-Anschluss, Leselampe, Sitzheizung, Sicherheitsgurt.

 

 

Beschreibung Velorex 563 (ab Werk)

Einsitziger Beiwagen für den Anbau an die meisten Motorräder. Verstärkter Rohrrahmen, Schwinge mit 20-mm-Radachse und progressivem Federbein mit einstellbarer Federvorspannung.
Rad mit Trommelbremse, Reifen 130/90 × 16“, Felge 2,50 × 16“. Große Trittstufe vor dem Kotflügel.

Zweiteilige GFK-Karosserie mit steinschlagresistenter, strukturierter Oberfläche im Unterteil. Oberteil und Kotflügel serienmäßig schwarz lackiert, Sonderlackierungen auf Wunsch möglich.

Anatomisch geformter Sitz mit Rückenlehne aus wasserfester Kunstlederpolsterung. Abschließbarer Gepäckraum hinter der Rückenlehne, Fußstütze im vorderen Bereich, herausnehmbarer Teppich. Die Einstiegöffnung ist abdeckbar. Serienmäßig niedrige Plexiglasscheibe.
[image]

Optionale Ausstattung

Wie Modell 562, zusätzlich Zusatzgewicht im Fahrwerk zur Stabilisierung sowie härterer, einstellbarer Hagon-Sidecar-Stoßdämpfer.

 

Beschreibung Modell 565

Einsitziger Beiwagen mit verstärktem Rohrrahmen, 20-mm-Radachse und progressivem Federbein mit einstellbarer Federhärte.
Rad mit Trommelbremse, Bereifung 130/90 × 16“, Felge 2,50 × 16“. Große Trittstufe vor dem Kotflügel.

Laminatkarosserie mit aufklappbarem oberen Bereich vor der Einstiegöffnung zur Erleichterung des Einstiegs. Serienmäßig schwarz lackiert, Sonderlackierung auf Wunsch.

Ausgeformter Sitz und Rückenlehne aus wasserfester Kunstlederpolsterung, ebenso der gesamte Innenraum. Abschließbarer Gepäckraum unter dem Sitz und hinter der Rückenlehne. Herausnehmbarer Teppich im Beiwagen und Gepäckfach. Serienmäßig hohe Schutz-Plexiglasscheibe.

 

Abb. Modell 565, Version ab Werk 2025
[image]

Optionale Ausstattung

Wie Modell 563, ergänzt um einstellbaren Hagon-Stoßdämpfer.

 

Velorex Modell 700 (ab etwa 2023 nicht mehr produziert)

Auf Basis des Fahrgestells des Modells 562 entstand der Seitenwagen Typ 700. Die Karosserie verfügt über einen nach hinten hochgezogenen Kofferraum sowie eine formangepasste Windschutzscheibe. Das Leergewicht liegt bei rund 80 kg.

Abb. Modell 700

[image]

Daten Modell 700

Der 700er basiert auf dem Modell 563. Er unterscheidet sich durch einen hochgezogenen Kofferraum und Schalensitz. Die Scheibe ist nach vorne klappbar.

 

 

Velorex Modell 560

[image]
Velorex der 50er Jahre, Modell 560, neu aufgelegt 2023 (Iwan Bikes) .

Beitrag in MG 169

 

 

Optimiertes Fahrgestell für den Velorex von SiDeCon

[image]
Abb. SiDeCon

 

 

Beiträge mit Velorex-Beiwagen in Motorrad-Gespanne

 

 

[image]
VELOREX Žamberk, výrobní družstvo
U Velorexu 1396, 564 01 Žamberk, Tschechische Republik
Telefon: +420 608 031 330
E-Mail: velorex@velorex.cz

❤ Das Gespann-Lexikon unterstützen

Dieses Lexikon ist ein idealistisches und nicht-kommerzielles Projekt. Server und Hosting kosten jedoch Geld. Du kannst ein Förderer werden und dies unterstützen. Schon eine kleine Spende, ab 5 Euro, hilft das Lexikon weiter auszubauen.

→ GoFundMe | → PayPal

Als Dankeschön: Sendest du deinen Zahlungsbeleg an gespann-lexikon@t-online.de, erhältst du ein Jahr lang jeden Monat eine Übersicht der neuen Einträge - auch ein Spendenaufkleber ist in Planung!