Das Trisis ist ein innovatives Gespann-Fahrgestellkonzept, in das nahezu jedes Motorrad eingebaut werden kann. Ab 2007 wird es von Uwe Schmidt in Solingen angeboten.
Die Entwicklung durch Geoff Clark
Der ehemalige Renngespannkonstrukteur Geoff Clark nutzte seine Zeit im Ruhestand ab etwa 1986 für die Entwicklung des Trisis-Konzeptes. Dabei ging er noch einen Schritt weiter als Jean Claude Perrin mit seinem Side Bike. Das Fahrgestell enthält alle Komponenten zur Aufnahme der drei Radaufhängungen. Von Anfang an war eine Achsschenkellenkung für das Vorderrad vorgesehen, ebenso Breitreifen auf Autofelgen.
Ein besonderes Novum: In das Fahrgestell können nahezu alle Motorräder eingesetzt werden – natürlich ohne deren Vorder- und Hinterradführung. Der serienmäßige Rahmen des Motorrades bleibt dabei erhalten, ebenso Motor und Anbauteile wie die Elektrik. Dass auf der Zeichnung ein stilisierter Squire-Seitenwagen zu sehen ist, hat seinen Grund: Geoff Clark arbeitete zunächst mit der Firma Squire zusammen, die Fertigung und Vermarktung des Trisis-Gespannes übernehmen sollte.
Trisis-Gespann 1990 auf der Isle of Man mit Honda CB 750-Motor, Abb. Andy Baumann (MG 9).
Gescheitertes Erstprojekt Ende der 1980er Jahre
Ursprünglich wollte Geoff Clark sein Universal-Chassis Ende der 1980er Jahre unter der Firmierung „Sidecar-Conversions" vermarkten. Das Vorhaben endete jedoch aus mehreren Gründen bereits im Prototypenstadium: Erstens hatte Squire damals volle Auftragsbücher und wenig Zeit. Zweitens galten Spezialfahrgestelle in jenen Jahren nur in der Oberklasse als interessant. Für gewöhnliche Ansprüche war es billiger, einfach einen Beiwagen anzuschrauben – selbst wenn Hilfsrahmen, Schwingengabel und Pkw-Räder erforderlich wurden. Drittens war die Konstruktion noch nicht ausgereift.
Peter Rivers-Fletcher von Squire berichtete Peter Lohré 2007: „Besonders die Frontpartie war alles andere als verwindungssteif. Wir schlugen einige Änderungen vor, doch Geoff glaubte uns nicht und zog es vor, sein Muster anderweitig anzubieten – ohne Erfolg. Ich erinnere mich, dass diesen Prototypen dann jemand gekauft und zu Robin Rhind-Tutt (Wasp) gebracht hat, um es dort begutachten zu lassen. Und ich denke, dass Robin abgelehnt hat, irgendetwas daran zu unternehmen, eben weil es von der Basis her schlecht war."
Diese Ausführungen decken sich mit den Erinnerungen des damaligen Watsonian-Importeurs Lohré, der das Ur-Trisis während einer England-Reise um 1990 verstaubt in einer Ecke bei Wasp in Salisbury gesehen hatte. Als Fletcher von Squire hörte, dass sich Uwe Schmidt den Prototypen gesichert hatte, war sein Kommentar: „Good luck."
Die Neuentwicklung durch Uwe Schmidt
Schmidt hatte jedoch nicht die Absicht, das Trisis mit dem Fahrwerk des Prototypen anzubieten. Er entwickelte das Konzept weiter. Seine Absicht: Achsschenkeltechnik zum Preis eines Schwingengespannes anzubieten.
Bei Schmidts Konstruktion wird die Rumpfmaschine mit zwei Adaptern auf ein Komplett-Chassis geschraubt, das auch weitgehend die tragende Funktion übernimmt. Ein geschobener Schwingarm führt das Vorderrad. Die Achsschenkellenkung wird per Gestänge betätigt, das Hinterrad von einer Zweiarmschwinge mit Zentralfederbein geführt.
Zum leichteren Radausbau lässt sich der linke Schwingenarm abschrauben. Eine Führung mit Zahnrad am unteren Kettentrum soll ein Peitschen der Antriebskette verhindern. Motorräder mit linksseitigem Riemenantrieb lassen sich übrigens ebenfalls mit dem Trisis kombinieren. Bei Kardanmaschinen wird deren Schwinge weiter verwendet. Lediglich die wenigen Modelle mit rechtsseitigem Ketten- oder Riemenantrieb passen nicht ins Konzept.
Technische Möglichkeiten und Varianten
In puncto Motorleistung unterliegt das Trisis keinen Beschränkungen. Die universelle Konzeption erlaubt die Höhenverstellbarkeit des Fahrwerks und eine Kombination mit diversen Beiwagen. Schmidt bietet eine Ausführung für Karosserien bis 70 Zentimeter Breite sowie eine 18 Zentimeter breitere Variante für die Aufnahme von Familienbooten an.
Der Mehrwert liegt in der nahezu unbegrenzten Anpassungsfähigkeit: Wer seiner Zugmaschine überdrüssig ist, schraubt einfach ein anderes Motorrad in das Trisis-Gerüst. Dazu müssen lediglich neue Adapter angefertigt werden.
Die ersten Umbauten
Beim ersten Umbau 2006, den Schmidt auf der Messe „Faszination Motorrad" vorstellte, verwendete er den Motor einer Honda CBF 600. Wirklich fertig war das Trisis dann 2007 mit einem Umbau einer Kawasaki ZX 9R mit 143 PS (siehe Abbildungen).
Beiträge in MG 3, 99, 107, MG-Spezial