Kinder im Beiwagen

Nach einer Leserbefragung der Zeitschrift MOTORRAD-GESPANNE in den 1990er Jahren war das Argument „Ich möchte auch Kinder mitnehmen“ zu über fünfzig Prozent der Grund zum Kaufentscheid eines Gespannes. Heute sind es vermehrt die Großeltern und genießen die Gespannfahrt mit ihren Enkeln.

 

Quietschfidel geht es in diesem Beiwagen zu. Hier hat der Gespannpapa einiges am Boot verändert, damit auch alle mitfahren können.

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Tipps - Kinder im Beiwagen

Erwartet eine Motorradfahrerfamilie Nachwuchs, stellt sich früher oder später die Frage: das Hobby aufgeben, alleine weiterfahren – oder ein Gespann anschaffen? Wer Motorradfahren und Familienleben verbinden möchte, hat die Entscheidung damit im Grunde schon getroffen. Doch sofort tauchen praktische Fragen auf:

 

Geeignetes Alter

Die Entscheidung, ab wann ein Kind im Beiwagen mitfahren darf, liegt letztlich bei den Eltern. Individuelle Voraussetzungen spielen dabei eine wesentliche Rolle: Während manche Kinder die vorbeiziehende Umgebung begeistert aufnehmen, empfinden andere Wind- und Motorengeräusche als belastend.

Als Orientierungswert gilt: Kinder sollten mindestens zwei Jahre alt sein, bevor sie erstmals im Beiwagen mitgenommen werden. Ein behutsames Heranführen mit kurzen Fahrten ist empfehlenswert. Der direkte Kontakt zu einem Elternteil – etwa auf dem Soziusplatz neben dem Beiwagen oder im Boot selbst – vermittelt dem Kind Geborgenheit und ermöglicht es dem Erwachsenen, unmittelbar auf Unbehagen zu reagieren. Das Prinzip „zu viel des Guten ist ungesund" gilt auch hier: Überforderung sollte vermieden werden, um die Voraussetzung für spätere längere Touren zu schaffen.

Auch Großeltern schätzen das Gespann als praktisches Transportmittel – etwa um Enkel vom Kindergarten oder der Schule abzuholen.

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Helm

Da es für sehr kleine Köpfe kaum passende Motorradhelme gibt und die Nackenmuskulatur von Kleinkindern noch nicht ausreichend entwickelt ist, um Gewicht und Beschleunigungskräfte beim Bremsen sicher zu kompensieren, empfehlen sich leichte Go-Kart- oder Fahrradhelme als erste Wahl. Diese bestehen im Wesentlichen aus einer Styroporschale, sind deutlich leichter als Motorradhelme und bieten dennoch einen Grundschutz.

 

Kindersitz

Nach einigen Eingewöhnungsfahrten sollte ein dem Alter entsprechender Kindersitz im Beiwagen befestigt werden. Dabei ist zu beachten, dass der Sitz sowie etwaige Rückhaltegurte ausschließlich am Bootskörper – nicht am Beiwagenrahmen – zu befestigen sind. Bei einem Unfall kann der meist nur punktuell auf dem Rahmen montierte Bootskörper aus seinen Halterungen gerissen werden; ein am Rahmen befestigter Sitz könnte dabei fatale Folgen haben.

Ab etwa dem vierten Lebensjahr eignet sich eine Sitzschale mit Hosenträgergurten, die fest im Boot montiert wird. Die Sitzhöhe sollte so gewählt sein, dass die Sicht nach vorne nicht eingeschränkt ist: Kinder, die zu tief sitzen und lediglich den Teppichboden des Boots sehen, werden die Fahrt erfahrungsgemäß wenig genießen.

 

Sitzposition: innen oder außen?

Beim zweiköpfigen Beiwagen stellt sich die Frage nach dem Platz. Der Außenplatz ist hinsichtlich Geräuschentwicklung und Beladung günstiger; der Innenplatz bietet dagegen einen gewissen passiven Unfallschutz, der nicht zu vernachlässigen ist.

 

Bekleidung

Bewährt hat sich das sogenannte Zwiebelprinzip: T-Shirt, Sweatshirt, Anorak. Einzelne Schichten lassen sich bei steigenden Temperaturen oder in Pausen unkompliziert entfernen. Eine teure Motorradkombi ist nicht notwendig – zumal Kinder schnell wachsen. Kurze Hosen im Sommer sind nicht empfehlenswert.

 

Tourenplanung mit Kindern

Sind Kinder an Bord, ist die Tourenplanung entsprechend anzupassen. Pausen sollten an Zielen eingelegt werden, die auch für Kinder geeignet sind und ihrem Bewegungsdrang Rechnung tragen – ideal sind Raststätten mit Spielmöglichkeiten oder Gasthäuser mit Garten. Auch ein vorbereitetes Picknick an einem Kinderspielplatz bietet sich an: Unter freiem Himmel schmeckt das Essen besser, und nach ausreichend Bewegung steigen die Kinder erfahrungsgemäß gerne wieder ins Boot.

Bei längeren Strecken ist für ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu sorgen. Lieblingskuscheltiere oder Spielzeug – gut gesichert – erhöhen das Wohlbefinden der jüngsten Mitfahrer.

Zahlreiche Reise- und Tourenberichte mit Kindern wurden über die Jahre in der Zeitschrift *Motorrad-Gespanne* veröffentlicht.

 

Sicherheitshinweise

Ein Gespann ist kein Kinderspielzeug. Trotz aller Begeisterung birgt es spezifische Gefahrenquellen, die Eltern kennen und im Blick behalten sollten:

- Heiße Auspuffanlage: Kleinkinder dürfen dem Auspuff nicht unbeaufsichtigt nahekommen.

- Klappbare Frontscheibe: Einklemmgefahr für kleine Finger.

- Abgase: Es ist zu prüfen, ob Abgase in den Beiwagen eindringen können. Das im Abgas enthaltene Kohlenmonoxid (CO) ist farb- und geruchlos und hochwirksam giftig – eine ernsthafte Gefährdung, die keinesfalls unterschätzt werden darf.

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