Gespannmarke HBJ, Hersteller Hans-Gerd Reichler, Bergneustadt.
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Das Kürzel HBJ setzt sich aus den Anfangsbuchstaben von drei Rennsportfreunden zusammen die Ende der 80er Jahre ein Sportgespann für die Straße konstruierten: Hans-Gerd Reichler, Bernd Dawicki, Jesko Höckert.
Hans-Gerd Reichler läutete mit seinem HBJ-Gespann die Ära der Breitreifengespanne ein. Für die ersten Umbauten verwendete Reichler den drehmomentstarken Yamaha FJ 1200-Motor. Fahrgestell von Motorrad-und Seitenwagen sind bei HBJ miteinander verschweißt.
Technische Details wie Exzenterverstellung der Vorderrad- und Hinterradachse zeigen Reichlers Verbundenheit zur Rennsporttechnik. Durch das großzügige Innenraumangebot des Seitenwagens erweitert sich die Einsatzmöglichkeit eines HBJ-Gespannes auch auf Urlaubsreisen.
Aus einem Stück, der HBJ-Motorrad- und Beiwagenrahmen, hier in der Vorderrad-Schwingenausführung.
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Das HBJ-Chassis mit Radnabenlenkung war mit allen Reihenvierzylindern kompatibel.
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Vorstellung: MG Nr. 0, Erstausgabe 1988,
Eines der ersten Entwürfe des HBJ-Fahrgestells. Beitrag in MG 18.
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Eindrücke eines HBJ-Gespannes von 1993:
Fahrwerk
Das HBJ-Fahrwerk basiert auf einem Unterflurchassis. Die originalen Motorradrahmen-Schleifen werden unten abgeschnitten, das halbierte Motorradfahrgestell auf das HBJ-Chassis gesetzt und verschraubt. Dieses Konzept ermöglicht die Integration aller gängigen kettengetriebenen Vierzylindermodelle, u. a. Kawasaki ZZR 1100 und Yamaha FJ 1200. Auch ein Umbau auf FZR-Motor ist möglich.
Die Nabenlenkung (Serienreife zum Testzeitpunkt neu erreicht) wirkt über Lenker und Steuerkopf auf ein Lenkgestänge. Die vordere Langschwinge ist am Basisfahrgestell angelenkt. Der Lenkeinschlag ist konstruktionsbedingt auf ±20 Grad begrenzt; auf der Landstraße ist ein Dreipunkt-Wendemanöver erforderlich.
Als Federelemente war ein White-Power-Federbein vorgesehen; beim Test kam ein Yamaha-Federbein zum Einsatz (Abstimmung laut Hersteller nicht optimal). Das Fahrwerk lässt sich bei Bedarf um 25–30 mm höherlegen (Höherlegungskit).
Bremsen
Das Gespann verfügt über ein Integralbremssystem:
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Komponente |
Ausführung |
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Vorderrad |
FJ-ABS-Bremsscheiben, Vierkolbenbremssättel |
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Hinterrad |
Originale FJ-Anlage |
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Beiwagenrad |
RG-500-Bremse |
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Fußbremshebel |
3/4"-Bremszylinder, wirkt auf je eine Scheibe vorn/hinten + SW-Scheibe |
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Handbremshebel |
Wirkt auf zweite Vorderradscheibe |
Karosserie / Boot
Das Breitboot ist in verschiedenen Breiten erhältlich. Die Sitzbreite des getesteten Modells beträgt 780 mm, ohne dass dies optisch auffällig wirkt. Ein Verdeck ist als Zubehör lieferbar, eine klappbare Frontklappe war für zukünftige Serienmodelle geplant. Der Ölkühler ist im Boot untergebracht und dient gleichzeitig als serienmäßige Beiwagenheizung. Tankstutzen befindet sich an der linken Bootsseite.
Räder
Charakteristisches Merkmal sind BBS-Felgen in der Größe 15 Zoll, die Reichler grundsätzlich für Straßenversionen einsetzt. Vorteil: niedrigere Motordrehzahl, reduzierter Kraftstoffverbrauch. Reifen vorne: 195er-Dimension.
Technische Daten (Fahrzeugkonfiguration Yamaha FJ 1200)
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Merkmal |
Wert |
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Spurweite |
1.270 mm |
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Sitzbreite Boot |
780 mm |
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Leergewicht |
385 kg |
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Zulässiges Gesamtgewicht |
725 kg |
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Zuladung |
340 kg |
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Höchstgeschwindigkeit |
ca. 180 km/h (elektronisch kalibriert) |
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Kraftstoffverbrauch (normal) |
> 10 l/100 km |
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Kraftstoffverbrauch (Autobahn 130–160 km/h) |
ca. 12 l/100 km |
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Kraftstoffverbrauch (sportlich) |
15 l/100 km und mehr |
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CO-Gehalt im Boot (Messung) |
max. 29 ppm (unbedenklich) |
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Preis (Neufahrzeug) |
deutlich über 50.000 DM |
Fahreigenschaften (Testbericht)
Die Nabenlenkung vermittelt ein sehr direktes, leichtgängiges Lenkgefühl. Das Gespann neigt bei fehlendem Gegendruck zur Unterschätzung von Kurven. Dank tiefem Schwerpunkt und 195er-Reifen sind die Sicherheitsreserven jedoch groß; das Boot steigt nur bei falschem Gaseinsatz. Das Integralbremssystem bewährte sich im Test auch in einer kritischen Ausweichsituation.
Kritisch bewertet wurden im Test: die Federungsabstimmung (Unruhe bei schnell aufeinanderfolgenden Bodenwellen, Flattern des Vorderrads in Linkskurven mit Bodenwellen), die zu harte Beiwagenabstimmung bei unbesetztem Boot sowie die Sitzhöhe im Boot (zu hoch für komfortables Reisen).
Der Rennsport
Reichler war in den 70er und 80er Jahren auch als Konstrukteur für Renngespanne aktiv, insbesondere im Motorenbau. Bemerkenswert war die Konstruktion eines Aluminiumfahrwerkes, in dem der Tank integriert war. Das Meisterstück war ohne Zweifel die Super Maico.
1970 baute er aus vier 125er Maico-Zweitakt-Rennmotoren einen Gespannrennmotor als Vierzylinder-Boxer-Motor auf. Dabei lagen die Zylinder links und rechts übereinander. Die Einlasssteuerung erfolgte über vier an der Frontseite des Motors angeordnete Plattendrehschieber. Das HBJ-Team konnte damit national einige Erfolge erzielen. Der Ton dieser Maschine klang extrem giftig und bissig. Ab 7.500 Umdrehungen brach förmlich die Hölle los. Die beste Leistung stand zwischen 9.000 und 11.000 Umdrehungen zur Verfügung.
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