Goulding, James

Gespannhersteller.

Im Jahr 1917 erhielt der Australier James Goulding ein Patent für eine innovative Beiwagenfederung. Ihr bemerkenswertes Prinzip: Das Seitenwagenrad, der Seitenwagenrahmen samt Karosserie waren unabhängig vom Motorrad gefedert – ein völlig neues Konzept zu dieser Zeit.

 

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Im Jahr 1917 erhielt der Australier James Goulding ein Patent für eine innovative Beiwagenfederung. Ihr bemerkenswertes Prinzip: Das Seitenwagenrad, das Beiwagenfahrgestell und die Karosserie waren unabhängig vom Motorrad gefedert – ein völlig neues Konzept zu dieser Zeit.

Um die ungefederten Massen gering zu halten, verband Goulding Beiwagen und Motorrad nur an zwei Punkten: an der vorderen Motorhalterung und unter dem Sattel. Die Seitenwagenradachse (eine sogenannte „full floating axle“) war an einem zusätzlichen, frei schwingenden Querträger befestigt, der am Heckrahmen des Motorrads mit einem Kugelbolzen montiert war. Eine Spiralfeder hinten („scowlspring“ genannt) begrenzte den Federweg und verhinderte ein Ausschlagen des Rades nach vorn oder hinten.

Die vordere Bootsaufhängung war am Bootsträger befestigt und über zwei Spiralfedern gelagert. Die hintere Bootsaufhängung hingegen bestand aus zwei übereinanderliegenden Halbelliptik-Blattfederpaketen, die am Querträger der Seitenwagenradachse verschraubt waren. Eine weitere Spiralfeder zwischen Querträger und Bootsträger begrenzte den Federweg des Seitenwagenrades. Fazit: Alle Komponenten waren voneinander unabhängig abgefedert, was dem Fahrer und vor allem dem Passagier im Boot deutlich mehr Komfort bot.

Trotz der Komplexität des Systems wurde Gouldings Beiwagen ein echter Verkaufsschlager. Besonders beeindruckend war die Praxistauglichkeit: James Goulding demonstrierte die Vorteile seines Designs mit seiner 70-jährigen Großmutter, die nach einer zweitägigen Fahrt über australische Pisten scheinbar völlig unbeschwert aus dem Seitenwagen stieg und die „wunderbare Erfindung“ ihres Enkels lobte. Goulding wurde zum führenden Seitenwagenhersteller in Australien und Neuseeland.

Doch Goulding war nicht nur ein talentierter Konstrukteur, sondern auch ein leidenschaftlicher Gespannfahrer. Trotz des großen Erfolgs in Australien suchte er nach weiteren Märkten. In den frühen 1920er Jahren, während einer sechsmonatigen Reise durch die USA mit einem Harley-Goulding-Gespann, besuchte er Seitenwagen- und Gespannhersteller in den Vereinigten Staaten. 1923 schloss er einen Vertrag mit der Hastings Company in Goshen, Indiana, die fortan den Goulding-Seitenwagen für den amerikanischen Markt produzierte. Mitte der 1920er Jahre wanderte Goulding mit seiner Familie nach Amerika aus.

Neben seiner Innovation im Bereich Fahrwerke erregte Goulding auch mit seinen außergewöhnlichen Bootsformen Aufmerksamkeit. Am bekanntesten war der „Rocket“-Seitenwagen, dessen Design tatsächlich der Form einer Rakete ähnelte. Mit seiner verchromten Front war dieser Typ eine beliebte Alternative zu den Seitenwagen von Harley-Davidson und Indian. Der „Rocket“ wurde noch bis in die 1950er Jahre produziert.

 

Goulding Rocket-Seitenwagen

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Wegen rückläufiger Verkaufszahlen wurde 1956 der Seitenwagenbau aufgegeben. 11 Jahre später verstarb James Goulding, der mit seinem ungewöhnlichen Chassis einen wichtigen Beitrag zur Technik des gefederten Seitenwagenrades in der Pionierzeit des Gespannbaues geleistet hatte.

 

Quelle: The Goulding Album