Gespannreifen

Reifen sind das Bindeglied zwischen Fahrzeug und Fahrbahn und übernehmen die Kraftübertragung. Anders als beim Solomotorrad wirken diese Kräfte nicht nur an Vorder- und Hinterrad, sondern auch an das Beiwagenrad.

Beim Beschleunigen und Bremsen entstehen Längskräfte in Fahrtrichtung, während bei Kurvenfahrt Seitenkräfte quer zur Abrollrichtung auftreten. Reine Längs- oder reine Seitenkraftbelastungen stellen im Gespannbetrieb theoretische Idealzustände dar, die im Fahralltag kaum vorkommen.

Vgl. Kammscher Kreis

In der Praxis überlagern sich vielmehr beide Kraftkomponenten. Längs- und Seitenkräfte addieren sich zu einer resultierenden Gesamtkraft, die jeder einzelne Reifen übertragen muss. Entscheidend ist dabei nicht nur der Reibwert zwischen Reifen und Fahrbahn, sondern auch die momentane Radlastverteilung. Diese verändert sich beim Gespann ausgeprägt durch Beschleunigen, Bremsen und durch Kurvenfahrt, etwa wenn sich beim Bremsen das Beiwagenrad entlastet wird.

Je griffiger Reifen und Fahrbahn sind, desto größer darf die resultierende Kraft ausfallen, die der Reifen halten kann. Auf nasser oder verschmutzter Fahrbahn reduziert sich dieser Kraftvorrat erheblich. Anders als beim Zweirad, führt ein Kraftverlust (wegrutschen) beim Gespann nicht zum Sturz und ist für einen erfahrenen Gespannfahrer beherrschbar.

Wird in der Kurve gebremst oder beschleunigt, geschieht dies zwangsläufig auf Kosten der Seitenführung. In Grenzbereichen kann dies zum Schieben des Vorderrads, zum Durchdrehen des Hinterrads oder zum Abheben des Beiwagenrads führen. Die optimale Aufteilung der Kräfte zwischen Längs- und Seitenanteilen erfordert daher Erfahrung für das dreirädrige Fahrzeug.

Muss in einer kritischen Situation maximale Seitenführung erhalten bleiben, bleibt nur der Abbau von Längskräften, entweder durch reduzieren der Geschwindigkeit oder durch einen größeren Kurvenradius.

Durchmesser und Luftdruck der Reifen haben erheblichen Einfluss auf die Kraftübertragung und das Fahrverhalten.

 

Gespannreifen für Soloräder

Beispiel: Heidenau K 28 in 18- und 19 Zoll

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Vorteile von Autoreifen

Autoreifen bieten im Vergleich zu Zweiradreifen eine deutlich größere Kontaktfläche zur Fahrbahn, was zu einem geringeren Verschleiß und einer höheren Tragfähigkeit führt. Der Einsatz eines runden Reifens am Hinterrad macht nur dann Sinn, wenn der Umbau kostengünstig bleiben soll oder das optische Erscheinungsbild des Fahrzeugs beibehalten werden soll.

Insbesondere am Vorderrad werden Reifenformen mit runden Flanken gewählt, sie sind weniger empfindlich bei Spurrillen. Autoreifen am Vorderrad mit einer Breite von 165 oder weniger lassen sich leichter Lenken als Breitreifen.

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Breitreifen

Als Breitreifengespann oder Breitreifenfahrwerk werden Gespanne mit Reifenbreiten von mehr als 185 mm bezeichnet. Sinnvoll bei sportlichen Ambitionen. Um 1992 wurden Straßengespanne erstmals von Gerd Reichler rundum mit breiten Autoreifen aufgebaut.

 

Rollerreifen

Legt man besonderen Wert auf leichtes lenken und spurtreue, kann man weiterhin Soloreifen verwenden - was auch den Umbau günstiger macht. Werden kleinere Felgendurchmesser montiert, können die Hinterräder von Großrollern (z. Bsp. 165er) am Vorderrad verwendet werden, die dann entgegen der Laufrichtung zu montieren sind.

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Umbaukosten und -aufwand

Der Umbau der Zugmaschine auf Autoräder ist mit erheblichem Aufwand und hohen Kosten verbunden. Der Gespannhersteller muss einen speziellen Adapter anfertigen, um das Motorradrad mit der neuen Felge zu verbinden, da es keine Standard-Autofelgen gibt, die ohne ein maßgeschneidertes Zwischenstück passen.

 

Verschleiß und Lebensdauer der Reifen

Bleibt die Solobereifung an der Zugmaschine, führt der deutlich höhere Verschleiß, insbesondere am Hinterrad dazu, dass die gesparten Kosten beim Umbau schnell wieder aufgezehrt werden. Bei einer Zugmaschine mit 100 PS hält ein Hinterradreifen je nach Fahrweise zwischen 500 und 3.000 Kilometern, während man beim Vorderradreifen von einer etwa dreifach längeren Lebensdauer ausgehen kann. Autoreifen haben hingegen eine vielfache längere Lebensdauer.

Abgefahren aber bewährt:
Vorderrad Bridgestone 160-60 R 15 auf EZS Solid Felge nach 8000 km Laufleistung auf einem Suzuki GSX 1400-Gespann.

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Winterreifen

Eine Winterreifenpflicht gilt nicht für Motorräder, egal ob mit oder ohne Beiwagen.

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Siehe auch Beiträge
- Entenreifen 125-15
- Winterreifen
- Räder.

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