Um einen Preis für ein Komplettgespann einordnen zu können, ist zunächst zwischen einer Serien- und einer Einzelfertigung zu unterscheiden.
Hierbei unterscheiden sich Technik, Leistung und Stil der Fahrzeuge erheblich. Anhand der folgenden Beispiele zeigt sich jedoch, dass durch eine Gespann-Serienfertigung der Preis ab Werk um bis zu 70 Prozent günstiger sein kann als in der Gespann-Manufakturfertigung.
Beispiele bei Serienfertigung (Stand 2026) für Komplettgespanne:
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Ural cT: Mash B-Side 500: Royal Alloy (Rollergespann): Changjiang Siberian Express 750: |
16.000 Euro 26.000 Euro 12.000 Euro 10.000 Euro 18.000 Euro |
(Alle Preise sind gerundet. Quellen: Webseiten der Hersteller)
Vom Alltagsfahrzeug zum Luxusgut:
Im Jahr 1952 kostete ein hochpreisiges Motorrad, eine BMW R 51/3, 2.750 D-Mark.
Als Gespann mit einem Steib TR 500 zusätzlich 800 D-Mark.
Wollte man eine hydraulisch betätigte Bremse dazu, waren nochmals 110 D-Mark fällig.
In Summe rund 3.700 D-Mark.
Berücksichtigt man Inflation und Kaufkraftanpassung, entspräche der Gespannpreis von 3.700 D-Mark im Jahr 2026 etwa 12.000 Euro.
Motorräder gehören mittlerweile jedoch zu den Luxusgütern. So ist zu erklären, dass bereits der Basispreis einer BMW R 1250 R im Jahr 2026 bei rund 13.800 Euro liegt – ohne Beiwagen.
Gespann-Umbaupreis 2026:
Umbau bedeutet, dass wir dem Gespannhersteller unser Motorrad in die Werkstatt stellen. Wir verwenden weiterhin das obige Beispielmotorrad (BMW R 1250 R). Dabei unterscheidet sich der Umbaupreis einer Neumaschine nicht von dem einer Gebrauchten.
Beispiel: Ob als Zugmaschine eine BMW R 1250 R, Baujahr 2026, oder eine zehn Jahre ältere BMW R 1200 R verwendet wird, macht beim Umbaupreis praktisch keinen Unterschied.
Zum motorradseitigen Umbau gehören alle Änderungen am Fahrwerk sowie Räderwünsche und Änderungen an den Bremsen. Die jeweilige Umbautiefe kann der Kunde in Auftrag geben.
Wollen wir uns preislich auf das Notwendige beschränken, aber dennoch mit einem BMW-R-Modell der letzten Jahre ein ordentliches Motorradgespann auf drei Räder stellen, rechnen wir motorradseitig mit 10.000 Euro.
Doch es gibt Ausnahmen: Durch konsequente Konzentration auf ein Umbaukonzept kann zum Beispiel die niederländische Firma Tripteq deutlich günstiger anbieten.
Darf es eine Nummer kleiner sein, zum Beispiel mit einer Royal Enfield 600 als Zugmaschine, wird es auch deutlich preiswerter als mit einem großen BMW-Modell.
(Schwenker müssen separat betrachtet werden.)
Bei der Wahl des Beiwagens ist die Preisspanne deutlich größer. Soll es ein moderner Einsitzer-Beiwagen sein, sind 8.000 Euro eine kalkulatorische Grundlage. Auch hier wird durch Individualisierung und Einzelfertigung ein höherer Preis fällig.
Bei durchgefärbten Beiwagenformen kann ein vierstelliger Betrag für die Lackierung eingespart werden.
Noch günstiger wird es mit einem gebrauchten Beiwagen.
Option Finanzierung:
Wie viel Prozent der Gespanne finanziert werden, war 2025 nicht zu ermitteln. Nach Einschätzung des Gespann-Lexikons liegt die Quote bei etwa 25 Prozent. Zur Einschätzung wurden Motorrad-Vertagshändler befragt und in Onlineportalen recherchiert.
Option Geprauchtkauf:
Wer ein Gebrauchtgespann zu einem angemessenem Preis, kauft kann viel Geld sparen, muss aber kompromissbereit sein. Ein Gebrauchtgespann ist eine gute Option für einen Gespann-Neueinsteiger.
Siehe dazu den Eintrag Gebrauchtkauf.
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Faustformel für den Gespann-Gebrauchtpreis: Zeitwert des Motorrades plus die Hälfte des Neupreises von Beiwagen- und Umbaukosten beim Gespannhersteller. |
Auszug aus dem Leitartikel von MG 131 aus dem Jahr 2012:
Wann ist ein Gespann teuer?
Seit es die Zeitschrift MOTORRAD-GESPANNE gibt, erhalten wir regelmäßig Ermahnungen: „Berichtet nicht nur über die teuren Gespanne.“ Ich gebe zu, dieses Thema beschäftigt mich, aber frage nach, „Was ist denn für dich teuer?“, so erhalte ich sehr unterschiedliche Antworten.
Manche Gespannfreunde machen es am Preis fest und nennen sogenannte Ankerpreise in fünftausender oder zehntausender Schritten. Für andere sind neue Gespanne generell zu teuer. Dabei fährt so mancher ein Gespann, das einst, als es neu beim Händler stand, auch zu den Hochpreisigen zählte.
Doch geht es überhaupt um den Preis? Oder heißt die Währung vielleicht Glück oder Zufriedenheit? Eine beliebte Gespannzugmaschine ist die BMW GS 1200. Das Solo-Motorrad kostet derzeit etwa 14.000 Euro. Dafür muss die sprichwörtliche Oma lange stricken.
Schrauben wir jetzt noch einen Beiwagen dran und rechnen einen maschinenseitigen Umbau hinzu, werden Preise aufgerufen, die eben mal bei 25.000 Euro und mehr liegen können. Teuer? Natürlich ist das teuer! Die Frage, die wir uns aber tatsächlich stellen sollten, ist die Frage nach dem Wert.
Für eine bestimmte Geldmenge erhalten wir ein Gespann, das für jeden von uns einen höchst individuellen Wert bietet. Ich kenne Rollergespann-Fahrer, die würden ihr Gefährt nicht mit einem Gold-Wing-Gespann tauschen wollen, und umgekehrt. Das Verbindende bei diesem Vergleich ist: Beide Gespannfreunde schätzen den individuellen Wert ihrer Gespanne gleich hoch ein.
Als Gespannverrückter möchte ich es so formulieren: Der Gespannfahrer erhält für sein Geld ein Gefährt, das ihn dermaßen glücklich macht, dass es den Nachteil des gezahlten Preises (über)kompensiert und somit rechtfertigt.
Dabei gehe ich davon aus, dass jeder von uns sich das Gespann wünscht, welches die angenehmsten Gefühle auslöst. Vermutlich ist das bei jedem Hobby der Fall. Die Gespanne, die in unserer Zeitschrift vorgestellt werden, wurden bereits von einem Glücklich-Verrückten bestellt und gekauft. Daher ist MOTORRAD-GESPANNE ein Spiegel der Szene.
Für den Gespannjunkie stellt sich die Frage nach teuer oder billig nicht wirklich, es ist eher die Frage nach dem maximal möglichen Glücksempfinden. Dass Glück mit Geld nichts zu tun hat, ist eine Binsenweisheit. Es kann nur der individuelle Wert eines Gespannes sein, das jeden von uns glücklich und zufrieden sein lässt.
Ich jedenfalls habe mir vorgenommen, zum Thema Geld und Gespann künftig entspannt zu reagieren und auf die Frage „War dein Gespann nicht sehr teuer?“ mit einem Lachen im Gesicht zu antworten: „Ja, mein Gespann hat richtig viel Asche gekostet, und es ist jeden Cent wert!“
Bernhard Götz