Schaltgestänge, Bremssattelabstützung, verstellbare Streben, aber auch Achsschenkel-Radaufhängungen und ihre indirekte Lenkung sind technische Merkmale eines modernen Gespannes. Hier kommen Gelenkköpfe oft gleicher Bauart zum Einsatz, die hin und wieder des Austausches bedürfen, es nun einmal Verschleißteile.
Tragbild
Anwendungsfälle und Lagercharakteristiken:
1) Bremssattel-Abstützung
Im Fall der Bremssattel-Abstützung stellt Bewegungstoleranz in den Gelenken kein erhöhtes Risiko dar. Eine wartungsfreie Ausführung Hartchrom/PTFE ist geräuscharm und genügt hier vollends. Mit Neoprenüberziehern kann eine sehr gute Abdichtung gegen Schmutz und Wasser erzielt werden. Dazu sind Buchsen notwendig, damit das Neopren stramm auf beiden Seiten der Kugel anliegen kann. Der höhere Platzbedarf und andere Bolzendurchmesser sind hierbei zu beachten.
2) Fußschalthebel
Auch hier ist ein leichtgängiges wartungsfreies Gelenklager im Gelenkkopf sinnvoll. Etwas Spiel ist unwesentlich.
3) Radaufhängung
In einer anderen Liga spielen die Gelenkköpfe bei Fahrwerksanwendungen. Ist da erst einmal Spiel im Lager, wird seine Präzision durch Schläge von der Straße schnell aufgerieben. Auseinander fallen wird das Gelenklager aber dennoch nicht, es hat eben nur Spiel.
a) Bei einer wartungsfreien Lösung sollten im Fahrwerk vorgespannte Gelenklager (z.B. die Fluro MS Variante) eingebaut werden. Sie lassen sich im Neuzustand kaum bewegen. Nachdem die Gleitschicht sich nach kurzer Einfahrzeit gesetzt hat, ist das Drehmoment zum Bewegen des Lagers geringer.
b) Erhöhte Radial- und Axialkräfte bei der Radaufhängung können aber auch gut durch wartungspflichtige Gelenkköpfe mit Stahl/Bronze - Lagerpaarung bewältigt werden.
4) Anschlusspunkte
Beiwagenstreben oder Anschlusspunkte, die nur bei der Montage beweglich sein müssen, sollten idealerweise in Stahl/Stahl Lagerpaarung ausgeführt werden. Sie sind relativ unempfindlich gegen Stöße und kommen mit einer Erstschmierung aus. Obwohl sie schmierpflichtig sind, verfügen sie nicht über entsprechende Nippel.
Weitere Infos in MG 109, im Handbuch „Motorrad-Gespanne im Eigenbau Band 2“, Kapitel 8 und auf den Internetseiten der Hersteller wie INA/Schaeffler oder Fluro.
Bauformen
Wissen kompakt
Axial
Eine Axialkraft wirkt entlang der Achse der Kugelbohrung.
Radial
Die Radialkraft wirkt senkrecht zur Axialkraft. Die Haupt Lastrichtung eines Gelenklagers ist immer radial! Es gibt allerdings auch reine Axiallager.
Technische Ausführungen:
Es wird zwischen wartungsfreien und wartungspflichtigen Gelenkköpfen unterschieden. Alle Ausführungen sind mit Schraubbolzen oder mit Buchse, mit Rechts- oder Linksgewinde erhältlich.
Wartungsfrei ist eine Lagerpaarung mit hartverchromter Stahlkugel und einer Lagerschale mit PTFE Gleitschicht. Wartungsfreie Gelenklager dürfen nicht geschmiert werden! Die PTFE Schicht würde durch Öl oder Fett zerstört.
Wartungspflichtig sind Lagerpaarungen mit Stahlkugel und einer Lagerschale aus Bronze oder aus Stahl. Herstellungsbedingt verfügen Bronzelagerschalen über einen Schmierkanal und entsprechende Nippel, Stahlschalen jedoch nicht.
Für alle Gelenklager gibt es 2RS Abdichtungen, Neoprenkappen und Überzieher.
Beitrag von Olaf Schulze in MG 188
MG 109 Beitrag über die unterschiedliche Technik, die Pflege und dem Zubehör-Angebot.