KMZ, besser bekannt unter dem Markennamen Dnepr, war eine Gespannmarke der ehemaligen UdSSR, heute Ukraine. Die Motorräder wurden zwischen 1960 und 1991 in Kiew gebaut und basierten technisch auf der sowjetischen M72. Die meisten Fahrzeuge wurden serienmäßig als Gespanne ausgeliefert. Zu den bekanntesten Modellen gehörten die Dnepr 16 mit Beiwagenantrieb sowie die Dnepr 11 ohne angetriebenes Beiwagenrad.
In einem Interview mit der Zeitschrift MO (9/1984) erklärte Diplom-Ingenieur Vadim Solaviov, Entwicklungschef des Dnepr-Werks, dass das Werk mit rund 6.000 Beschäftigten jährlich etwa 210.000 Viertaktmotoren produzierte.
In Deutschland wurde die Marke über häufig wechselnde Importeure vertrieben. 1989 kostete ein neues Komplettgespann je nach Ausführung zwischen 2.900 D-Mark für das Inlandmodell und 9.660 D-Mark für das Exportmodell. Weitere Informationen dazu finden sich auch bei ef-tech.
Ein typisches Erkennungsmerkmal des Dnepr-Beiwagens ist der Zugang zum Kofferraum. Dieser erfolgt durch das Vorklappen der Sitzlehne. Beim Ural-Beiwagen hingegen gibt es eine separate Kofferraumklappe.
DNEPR 11, ohne Beiwagenantrieb
Daten Dnepr 11:
Motor: Fahrtwindgekühlter-Zweizylinder-Viertaktboxer, Hubraum 649 cm³, Leistung 23,5 kW (27 PS) bei 5200 U/min, Hub 68 mm, Bohrung 78 mm, 2-Scheiben-Trockenkupplung, 4 Gänge und 1 Rückwärtsgang, klauengeschaltet, halbautomatik, Kardanwelle, Vergaser-Typ K-65T
Fahrwerk: Doppelschleifen-Ovalrohr-Stahlrahmen, 36 mm Teleskopgabel vorne, je 2 Federbeine hinten und vorne, 1 Federbein am Beiwagenrad, alle dreifach verstellbar
Räder: Drei identische 19-Zoll-Speichenräder, Bereifung 3,75 x 19 und ein Reserverad
Bremse: Drei identische Trommelbremsen, Durchmesser 200 mm, über Seilzüge betätigt
Gewichte: Leergewicht: 360 kg,max. zul. Gesamtgewicht: 625 kg
Länge: 2.430 mm
Breite: 1.700 mm
Sitzhöhe: 800 mm
Tankinhalt: 19 Liter
Verbrauch: ca. 7 Liter/100 km
Hersteller: Kiewer Motorradwerk, Kiew, Ukraine
Daten Dnepr 16, mit Beiwagenantrieb
Quer-Schnitt des MT-ohv Motors
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Eine technische Besonderheit der Dnepr war die halbautomatische Kupplung. Sie ermöglichte es dem Fahrer, die linke Hand auch bei eingelegtem Gang vom Kupplungshebel zu nehmen. Solange der Fahrer mit dem Fuß Druck auf dem Schalthebel hielt, blieb das Gespann stehen. Erst beim Entlasten der Schaltwippe setzte sich das Fahrzeug in Bewegung. Entwickelt wurde dieses System speziell für schwieriges Gelände, damit der Fahrer beim Anfahren und Schalten beide Hände fest am Lenker behalten konnte.
Da zehntausende Dnepr-Beiwagen gebaut wurden und teilweise bis heute nachgefertigt werden, finden die robusten Blechboote und Fahrwerke noch immer Verwendung bei Umbauten unterschiedlichster Motorradmarken.
Die originalen Dnepr-Motoren wurden häufig durch BMW-Zweiventil-Boxermotoren ersetzt. Außerdem sind zahlreiche Umbauten mit Dieselmotoren bekannt, unter anderem von Löw.
DATEN MT 11/16
Fahrwerk: Doppelschleifen-Stahl-Ovalrohr-Rahmen
Motor: 648 cm3 2-Zylinder Boxer, 2 Ventile pro Zylinder, ohv, Bohrung/Hub: 78/68 mm, 2-Scheiben-Trockenkupplung, Halb-Automatik (Mechanismus im Getriebe rückt beim betätigen des Fuß-Schalthebels die Kupplung aus
Getriebe: 4 Vorwärts-Gänge, 1 Rückwärts-Gang über Hand-Schaltung
Lichtmaschine: 12 Volt-Version:160 Watt
Tankinhalt: 19 Liter
Leergewicht: 345 kg
Erfahrungen
Für die Zeitschrift Motorrad-Gespanne legte der Autor des Gespann-Lexikons in den 1990er Jahren rund 40.000 Kilometer mit einer Dnepr 11 zurück. Als größtes Problem erwiesen sich Speichennippel-Ausrisse aus der Felge. Im Vergleich zur damaligen Ural galt die Dnepr jedoch als technisch etwas fortschrittlicher. Bei Geschwindigkeiten bis etwa 80 km/h erwies sie sich als zuverlässiger Begleiter.
1993 berichtete Markus Pfeiffer, in einem Leserbrief über die Dnepr K750 der Roten Armee, die neben dem Beiwagenantrieb zusätzlich über eine Differenzialsperre verfügt:
„Ein- und Auslegen der Sperre ist nur im Stillstand und nicht während der Kurvenfahrt möglich, da das Gespann dann strikt geradeaus schiebt. Benötigt wird die Sperre nur in Extremsituationen wie tiefem Schlamm, Tiefschnee, Schneeverwehungen oder gelegentlich bei einer Bachdurchfahrt.“
Während der 25.000-km-Testfahrt von der Zeitschrift MOTORRAD-GESPANNE machte sich Testfahrer Robert Gantert mit der Dnepr 11 vertraut. Und ja, Robert sitzt im Beiwagen und fährt mit einer Hand.
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Kiew spezial
Auch individuelle Sonderumbauten wurden direkt bei Dnepr in Kiew realisiert. Ein bekanntes Beispiel ist das MT-16-Gespann von Ann und Peter Parsons, britischen Weltreisenden, die von 1974 bis Mitte der 1980er Jahre zahlreiche Expeditionen mit sowjetischen Gespannen unternahmen.
Bereits ab 1975 bereisten Ann Parsons und Ingenieur Peter Parsons Afrika mit Gespannen, zunächst auf einer Ural M66. Ihre Route führte von London über Frankreich und Spanien bis in zentrale afrikanische Länder wie Niger, Nigeria, Ghana und Kamerun, insgesamt rund 9.000 Kilometer.
Später unternahmen sie mit einer Dnepr MT 9 eine weitere Reise über Senegal, Mali und Zentralafrika bis nach Tansania und Kenia. Diese Tour umfasste etwa 11.000 Kilometer. Auch Australien bereisten sie mit einem Dnepr-Gespann.
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Beiträge über Dnepr die seit 1988 in der Zeitschrift MOTORRAD-GESPANNE erschienen sind
Beitrag-Bezeichnung/Hersteller und Nummer der Ausgabe
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Dnepr 11 |
14 |
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Dnepr 16 mit Seitenwagenantrieb |
9 |
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Dnepr 650 mit Dieselmotor, Eigenbau |
169 |
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Dnepr 650 mit Dieselmotor, Eigenbau |
181 |
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Dnepr aktuell |
26, 27 |
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Dnepr Chopper |
38 |
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Dnepr Deutschland-Treffen 1996 |
37 |
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Dnepr Deutschland-Treffen 1997 |
42 |
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Dnepr Differentialsperre |
34, 36 |
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Dnepr Elektrostarter |
37 |
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Dnepr Fernreisegespann von Sauer |
7 |
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Dnepr K 750 Umbau |
146 |
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Dnepr Katalog |
38 |
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Dnepr Kupplung |
36 |
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Dnepr Kupplungsschrauben |
43 |
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Dnepr Langstreckentest, Zwischenbericht |
16, 17 |
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Dnepr Langstreckentest: 25.000 km |
18 |
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Dnepr Lenkkopflager |
3 |
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Dnepr mit 2CV-Enten-Motor, Technik |
70 |
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Dnepr mit BMW Motor |
141 |
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Dnepr mit Ölkühler |
45 |
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Dnepr Register |
17, 22 |
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Dnepr Seitenwagen-Verbesserung, Nachricht |
62 |
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Dnepr Speichen |
19 |
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Dnepr Treffen 1992 |
16 |
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Dnepr Treffen in Klaffer |
1 |
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Dnepr und Ural |
26 |
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Dnepr und Ural im Internet |
44 |
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Dnepr und Ural, E-Starter |
49 |
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Dnepr und Ural, Teile bei Warnke, Nachricht |
98 |
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Dnepr oder Ural? Vergleich 1994 |
25 |
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Dnepr Ural-Mailingliste, Nachricht |
59 |
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Dnepr Verbesserungen, Bremsen |
33 |
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Dnepr Verbesserungen, Getriebe |
31 |
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Dnepr Verbesserungen, Hinterradantrieb |
32 |
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Dnepr Verbesserungen, Teil 1 |
28 |
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Dnepr Verbesserungen, Teil 2 |
29 |
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Dnepr Vergaserabschirmung |
44 |
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Dnepr Weltreise |
4 |
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Dnepr Windschutzscheibe |
29 |
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Dnepr fahren mit 18 Jahren, Magazin |
98 |
In den 1980er Jahren war die Firma Kradimpex aus Wien der europäische Importeur dieser Fahrzeuge.
1992 konnte man in Kiew ein Dnepr-Gespann ab Werk bereits ab 300 D-Mark kaufen, bar versteht sich (MG 18).
1984 kostete ein Ural-Beiwagen laut Preisliste der Firma Kradimpex rund 3.025 D-Mark.
Händler und Service-Stützpunkte für Dnepr-Motorräder im Jahr 1984
R. Scheuerlein - 8800 Ansbach
Firma Weiss - 7580 Bühl (Baden)
Firma Heilmann - 8630 Coburg
Firma Weiss - 6301 Linden-Leihgestern
M. Burger, Viertaktlädchen“- 8753 Obernburg
Firma W. Falkner - 8123 Peißenberg
Firma Rudolf - 7253 Renningen
Zweirad Knatz - 3558 Schreufa (Frankenberg)
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Zusammenfassung aus MOTORRAD-GESPANNE Nr. 31, Januar 1996, S. 54–55 Die Fertigungsqualität der Dnepr-Getriebe schwankt erheblich; ältere MT-9-Getriebe sind oft besser als neuere Produktionen. Häufige Defekte: Bearbeitungsspäne, Härtungsfehler, defekte Lagersitze, nicht fluchtende Wellen, falsch eingestellte Schaltautomaten. Offene Getriebe können bei schonender Behandlung 500 bis 30.000 km halten; nach gründlicher Überholung auch über 100.000 km.
Überholung — Schlüsselmaßnahmen:
BMW-Motor-Adaptation an Dnepr-Getriebe:
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