Eine Bedienungsanleitung muss die Anforderungen des Produkthaftungsgesetzes (ProdHaftG) berücksichtigen. Die sind:
1. Allgemeine Angaben
Herstellerangaben: Name, Anschrift, Website, Service-Hotline.
Modellbezeichnung / Typ: Eindeutige Kennzeichnung, Seriennummer.
Zulassungsdaten: Typgenehmigung, Einzelabnahme oder ABE-Nummer.
Baujahr und Produktionsdatum
2. Bestimmungsgemäße Verwendung
Beschreibung, wofür das Gespann konstruiert ist (Straßenverkehr, max. Geschwindigkeit, zulässige Zuladung).
Hinweis, dass Betrieb nur auf öffentlichen Straßen zulässig ist, wenn zugelassen.
Warnhinweis: „Jede Verwendung außerhalb der bestimmungsgemäßen Nutzung kann zu Schäden oder Gefährdungen führen.“
3. Sicherheits- und Warnhinweise
Übersichtliche Warnsymbole mit Erklärung
Hinweise auf besonderes Fahrverhalten von Gespannen
Hinweise das unterschiedliche Kurvenverhalten
Erhöhter Lenkaufwand bei hohen Geschwindigkeiten
Bremsverhalten
Warnung vor Kippgefahr bei hoher Kurvengeschwindigkeit oder falscher Beladung
Hinweise zur Beladung (max. Zuladung, Schwerpunkt tief halten, Gewichtsverteilung)
Sicherheitsvorschriften zu Reifen, Luftdruck, Freigaben/Einzelabnahmen
Hinweise zu Beleuchtung und Sichtbarkeit – regelmäßige Kontrollpflicht
4. Technische Daten
Abmessungen (Länge, Breite, Spurweite, Sitzhöhe)
Gewichte: Leergewicht, zulässiges Gesamtgewicht, max. Achslasten
Motorleistung, Höchstgeschwindigkeit
Reifen- und Felgendaten inkl. zulässiger Alternativen
Bremssystembeschreibung (getrennt/verbunden)
5. Montage & Übergabe
Dokumentation der Montage (falls Gespann nachträglich an ein Basis-Motorrad angebaut wird)
Übergabeprotokoll: Kunde bestätigt Einweisung, Probefahrt und Kenntnisnahme der Anleitung
Hinweis, dass Umbauten oder Eigenreparaturen ohne Freigabe unzulässig sind
6. Betriebshinweise
Anfahr- und Abbremsverhalten
Kurventechnik (Links & Rechts, Übersteuern/Untersteuern)
Verhalten bei Nässe, Schnee, Schotter
Hinweise zur Geschwindigkeit bei Beladung, Anhängerbetrieb (falls zulässig)
7. Wartung & Inspektion
Wartungsplan mit Intervallen (km / Zeit)
Checkliste für sicherheitsrelevante Punkte vor jeder Fahrt
Reifenluftdruck, Bremsfunktion, Beleuchtung, Lenkspiel, Radmuttern
Dokumentation der Inspektionen (Platz für Werkstattstempel)
8. Fehlerbehebung
Übersichtstabelle mit Symptomen, Ursachen und Lösungen
Hinweis, wann unbedingt eine Fachwerkstatt aufgesucht werden muss
9. Entsorgung & Recycling
Hinweise zu umweltgerechter Entsorgung am Ende der Lebensdauer
Batterie-, Öl- und Reifenentsorgung nach gesetzlichen Vorgaben
10. Produkthaftungsrelevante Dokumentation
Seriennummern und Produktionschargen in der Anleitung oder beigelegtem Dokument
Hinweis auf Herstellerpflichten zu Rückrufen bei sicherheitsrelevanten Mängeln
Formular oder QR-Code für Registrierung des Fahrzeugs, damit Rückrufe den Halter erreichen
11. Sprachen & Verständlichkeit
Anleitung in deutscher Sprache (ggf. weitere Sprachen für Exportmärkte)
Einfache, klare Formulierungen – auch für technisch weniger erfahrene Nutzer verständlich
Piktogramme und Diagramme für sicherheitskritische Hinweise
Entwicklung der allgemeinen Bedienungsanleitung für Gespannhersteller
1998 trat das Produkthaftungsgesetz (ProdHaftG) in Kraft – für die Gespannhersteller, meist kleine Handwerksbetriebe, in denen der Inhaber selbst an der Werkbank stand, zunächst ein Schock. Denn für jedes individuell aufgebaute Fahrzeug (Manufakturfertigung) musste nun eine fahrzeugspezifische Bedienungsanleitung erstellt werden.
Die Lösung entwickelte der Herausgeber der Zeitschrift Motorrad-Gespanne und Autor des Gespann-Lexikons: Er zerlegte die Dokumentation in klar definierte Baugruppen und deren Varianten. Für Beiwagen, Basis-Motorrad, Anschlüsse, Bremsanlage, Vorder- und Hinterradführung sowie die Beiwagenanbindung entstand jeweils eine eigene Beschreibung. Ergänzt durch allgemeine Sicherheitshinweise, Checklisten und Übergabeprotokoll wuchs daraus ein System von exakt 50 Dokumenten, das die Anforderungen des ProdHaftG erfüllte.
Diese Unterlagen dienten den Herstellern als Kopiervorlage: Jeder Betrieb gab dem Kunden nur die Baugruppenbeschreibung weiter, die seinen individuellen Umbau betraf. Nach einer kurzen Erprobungsphase bei renommierten Herstellern des BVHK (Bundesverband der Hersteller und Importeure von Krafträdern mit Beiwagen) (Manfred Beck, Gunnar Carell, Christoph GmbH, Falk Hartmann, Peter Stern und Horst Ullrich) wurde das Konzept optimiert und anschließend allen Gespannbauern zur Verfügung gestellt.
Inhaltsverzeichnis der allgemeinen Bedienungsanleitung für Gespanne (Mustervorlage)
Heute verfügen nahezu alle Gespannhersteller über eigene, maßgeschneiderte Bedienungsanleitungen. Die enormen Fortschritte in der EDV seit 1989 erleichtern das Erstellen einer Bedienungsanleitung wesentlich.